Robust ist Trumpf

Canyon Torque AL im Test

Canyons neues Freeride Bike ist vor allem eins: bezahlbar! Das neue Canyon Torque AL hat einen spitzen Einsatzbereich und lockt mit Preisen zwischen 2499 und 3999 € Biker, die andere Marken längst als unattraktive Zielgruppe abgeschrieben haben.

Canyon Torque AL Test
Bikepark: Hier fühlt sich das Canyon Torque AL wohl!
Canyon Torque AL
Auch fiesestes Gerümpel kann dieses Bike nicht ins Schwitzen bringen.
Canyon Torque AL Erfahrung
Dieses bike braucht Luft unter den Reifen. Und eigentlich auch deutlich mehr als auf diesem Bild.

Wer ein Bike für lange Touren sucht, kann direkt weiterklicken. Das Canyon Torque war nie ein Bike zum Klettern und will es auch in der neuesten Version nicht sein. Canyon schärft das Profil seines Freeriders in der Neuauflage nochmals bedingungsloser zu und nimmt damit vor allem eine Gruppe von Bikern ins Visier: Park Fahrer!

Denn sind wir mal ehrlich: Treten will ein Bike mit 16 Kilo oder mehr niemand. Aber ein Torque wollte noch nie jemand treten. Man kauft sich dieses Bike, um zu ballern, zu springen, den Trail runter zu glühen. Und genau das haben wir im Test gemacht.

Canyon Torque AL
Die Topversion des neuen Torque AL kommt mit Fox Factory-Fahrwerk, aber mit einer mechanischen Schaltung und Alu-Laufrädern. So bleibt das Bike unter 4000 €.

Fahreigenschaften auf dem Trail

Mountainbikes ohne Motor sind auf ihrem technischen Zenit angekommen. Es ist schwer vorstellbar, dass diese Bikes noch besser werden. Zumindest was das Fahrgefühl auf dem Trail angeht.

Die Geometrie des Torque AL fühlt sich vom ersten Aufsitzen vertraut an. Das kleine Hinterrad lässt einen spielerisch in Manuals ziehen, wie es mit keinem E-Bike der Welt je möglich sein wird. Und das Fahrwerk macht genau das, was man von ihm erwartet: Es frisst Schläge in sich hinein ohne Sättigungsgefühl. Das Torque AL liefert auf dem Trail das ab, was man von einem Freeride Bike 2026 erwartet.

Enduro Bike test
Das, was man von einem Freeride-Bike erwartet, kann es: bergab ballern ohne Kompromisse. Trotz viel Federweg geht das Bike agil durch Kurven. Dem kleinen Hinterrad sei Dank.

Nach Jahren, in denen die Bikes länger und flacher geworden sind und das Handling mehr und mehr auf puren Highspeed ausgelegt ist, fühlt es sich an, als wolle einem das Torque Al auch im engen Geläuf das Leben nicht zu schwer machen. Denn in schnellen Kurvenwechseln merkt man seinen massiven Federweg weniger als erwartet. Der nicht zu flache Lenkwinkel und die Mullet-Laufräder tun dem Bike hier richtig gut. Machen wir es kurz: Wir nehmen unseren Job als Tester ernst, aber für den anvisierten Einsatzbereich gibt es an den Fahreigenschaften nichts zu kritisieren.

Mir hätte ein leichteres Bike besser gefallen, aber mit Gewichten über 16 Kilo muss man in dieser Preisklasse leben. An der Stelle muss man sich den Einsatzbereich nochmal vor Augen halten. Niemand will dieses Bike pedalieren. Man kann das machen. Aber dann empfehle ich viel Zeit und eine gute Fitness auf dem Weg zum Traileinstieg.

Freeride Bike Test
Absitzen möglich. Das kleine Hinterrad erhöht die Bewegungsfreiheit in steilem Terrain.

Ausstattung – Canyon ist zurück auf dem Boden

Der Fakt, der dieses Bike besonders macht: Es ist endlich bezahlbar. Canyon verzichtete auf eine Carbon Variante, elektronischen Schnick Schnack und geht bei der Ausstattung ganz bewusst den Weg der Funktionalität. Man baut hier keinen Bling Bling Baller, sondern ein Bike, das auch den harten Trail Einsatz auf Dauer abkann. Alu Felgen und mechanische Schaltung sind hier der Way To Go.

Statt ins Wettrüsten einzusteigen, gibt sich Canyon preisbewusst. Mit Preisen von 2499 € und 3999 € fürs Topmodell merkt das auch der Kunde. So muss das sein! Auch die Entscheidung, am Topmodell ein High End Fahrwerk zu verbauen, bei den restlichen Komponenten aber am Boden zu bleiben, kann man in der Preisklasse nur begrüßen.

Canyon Torque AL

Rahmenfeatures

Der Alu Rahmen ist nicht verschnörkelt. Er hat innen verlegte Züge, verstellbare Ausfallenden, mit denen sich die Kettenstreben um 10 mm je nach Vorlieben oder Rahmengröße anpassen lassen. Der Umbau auf ein 29er Hinterrad ist nicht möglich.

Ein Flip Chip am Dämpfer kann den Lenkwinkel noch minimal abflachen. Nötig ist das nicht wirklich. Eine kleine Trinkflasche passt unter den Dämpfer. Ob das die Zielgruppe wertschätzt? Mit 3,5 Kilo ist der Rahmen auf der schweren Seite. Leichte Aufbauten unter 15 Kilo sind damit nicht möglich. Das Design ist reduziert elegant, wie man das von Canyon gewohnt ist. Ein Aufbau mit Doppelbrückengabel ist dagegen möglich. In der Rahmengröße XS wird ein 27,5 Zoll Vorderrad verbaut.

Doppelbrückenfreigabe
Das Torque AL hat eine Freigabe für eine Doppelbrückengabel.
Canyon Torque AL Rocker
Der einteilige Rockerhebel erhöht die Steifigkeit im harten Einsatz.
Flip Chip
Der Flip Chip am Dämpfer macht leichte Geometrieanpassungen möglich. Wir hätten ihn nicht gebraucht. Die Verstellbarkeit der Kettenstreben ist dagegen sinnvoll.

  • Extrem gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • robust
  • kein technischer Overkill
  • sinnvolle Ausstattung

  • keine Full 29er Option
  • schwer
Fazit Canyon Torque AL

Fazit zum neuen Canyon Torque AL

Das Canyon Torque AL ist ein ehrliches Freeride Bike zum extrem guten Kurs. Egal ob als Park Bike zum runter rocken, Shuttle-Schl**** für Finale oder als bezahlbares Traumbike für fette Sprünge – dieses Bike liefert das, was seine potenzielle Kundschaft von ihm erwartet. Es fährt verdammt gut und ist robust. Wer ein Tourenbike sucht, ist hier schlichtweg fehl am Platz. Dafür ist es zu schwer.

Über den Autor

Ludwig Döhl

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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