Bulls Tokee 24 Disc
799 €: Das Bulls Tokee 24 Disc ist kein absoluter Schnapper, will dafür aber ein echtes Mountainbike sein. Bulls weiß, was es braucht, um Kindern das Leben leichter zu machen: eine gute Gabel, leichtgängige Bremsen und eine unkomplizierte Schaltung. Trotz der passenden Key-Facts zeigt unser detaillierter Test eine offene Flanke.
Rahmenbau und Integration
Der Aluminiumrahmen des Tokee Disc 24 hat eine sehr cleane Optik, die primär auf die moderne Zugführung zurückzuführen ist. Die Leitungen für die Schaltung und die Hinterradbremse verlaufen direkt durch den Steuersatz und das Innere des Rahmens.
Dies schützt die Züge nicht nur vor äußeren Beschädigungen im rauen Kinder-Alltag, sondern verleiht dem Bike auch eine Ästhetik, die man sonst eher von hochpreisigen Erwachsenen-Modellen kennt. Allerdings bringt diese Systemintegration auch Nachteile im Service-Bereich mit sich. Wer beispielsweise den ab Werk recht hoch montierten Lenker durch das Entfernen von Spacern tiefer setzen möchte, steht vor einer komplexeren Aufgabe, die deutlich mehr handwerkliches Geschick erfordert. Das Thema ist lösbar, aber etwas fummelig.
Positiv hervorzuheben ist die hohe Alltagstauglichkeit des Rahmens. Bulls hat an Montagepunkte für Flaschenhalter, Seitenständer, Schutzbleche und sogar einen Gepäckträger gedacht, was die Vielseitigkeit des Bikes enorm steigert. Selbst wenn der Weg zur Schule irgendwann mal fällig wird, kann man dieses Bike dafür herrichten.
Fahrwerk: Der entscheidende Vorteil der Luftfederung
Das absolute Highlight dieses 24-Zoll-Bikes ist die verbaute Luftfedergabel. In dieser Radgröße finden sich üblicherweise günstige Stahlfedergabeln, die aufgrund ihrer hohen und nicht einstellbaren Federrate für das geringe Körpergewicht von Kindern oft weitestgehend wirkungslos bleiben.
Über den Luftdruck lässt sich die Gabel beim Bulls jedoch exakt auf das Fahrergewicht abstimmen. Dies generiert tatsächliche Traktion am Vorderrad und nimmt Schlägen im leichten Gelände effektiv die Spitze – ein massiver Performance-Gewinn für sehr leichte Fahrerinnen und Fahrer.
Antrieb und Bremsen
Die verbauten Komponenten bei Schaltung und Reifen bewegen sich auf dem verlässlichen Niveau, das wir bereits in unserem Testbericht zum Grand Canyon Young Hero 24 detailliert analysiert haben. Die Gangwechsel und die Verzögerung gelingen mit erfreulich geringen Bedienkräften, was für kleine Kinderhände ein Riesenthema ist.
Ein sinnvolles Detail am Antrieb ist der robuste Kettenschutzring am vorderen Kettenblatt. Er verhindert zuverlässig, dass sich weite Hosenbeine in der Kette verfangen, was im Alltag ein wichtiges Sicherheitsfeature darstellt.
Kritik muss sich Bulls jedoch bei der Auswahl der Bremshebel gefallen lassen. Zwar liefert Tektro absolut zuverlässige Bremsanlagen, jedoch wurden hier die langen Hebelversionen verbaut, obwohl es von Tektro auch für Kinderhände optimierte, kurze Versionen gäbe. Kein Drama, aber eine verpasste Chance.
Fahrverhalten und Ergonomie-Hausaufgaben
Mit nur 10,9 Kilogramm ist das Bike für seine Preis- und Federungsklasse außerordentlich leicht. Das geringe Gewicht, resultierend aus der Gabel und den hochwertigen Laufrädern, sorgt in Kombination mit der minimalen Sitzhöhe von 40 Zentimetern für ein sehr agiles und sicheres Handling.
Trotz der starken Basis trüben einige ergonomische Entscheidungen ab Werk das Bild. Mit knapp 60 Zentimetern ist der Lenker für diese Radgröße schlichtweg überdimensioniert und sollte von den Eltern zwingend auf ca. 50 cm gekürzt werden.
Ebenso fällt der verbaute Sattel für die kindliche Anatomie sehr wuchtig aus. Hier fehlt Bulls bei den Anbauteilen die letzte Konsequenz im „Youth-Specific-Design“, weshalb Eltern nach dem Kauf selbst Hand anlegen müssen. Wir hatten Kinder mit einer Körpergröße von etwa 1,20 Meter auf dem Bike sitzen, was die untere Grenze darstellt. Mit dem Sattelauszug kann das Bike in etwa bis zu einer Größe von ca. 1,40 Meter mitwachsen. Wer sich genau für das Thema der Größenfindung interessiert, der findet in unserem Kinderbike-Portal dazu einen ausführlichen Größenartikel mit Vergleichstabellen und einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Ermittlung der Größe.
Pro
- Sehr geringes Gesamtgewicht (10,9 kg)
- Echte, anpassbare Luftfedergabel (seltenes Feature)
- Sehr cleane Optik durch Züge im Steuersatz
- Geringe Bedienkräfte bei Bremsen und Schaltung
- Hohe Alltagstauglichkeit dank vieler Montagepunkte
Contra
- Lenker ab Werk viel zu breit (Kürzen ist Pflicht)
- Höhenanpassung des Cockpits durch interne Züge erschwert
- Lange Bremshebel statt spezieller Kinder-Versionen
- Sattel unverhältnismäßig groß dimensioniert
Das Bulls Tokee Disc 24 ist ein hervorragend zusammengestelltes, leichtes 24-Zoll-Mountainbike. Die verbaute Luftfedergabel hebt es funktionell deutlich von vielen Konkurrenten ab und rechtfertigt den Preis. Schade ist lediglich, dass Bulls den letzten konsequenten Schritt bei der Ergonomie scheut – Eltern müssen einkalkulieren, dass Lenkerbreite, Cockpithöhe und Sattel nachträglich auf die kindliche Anatomie angepasst werden sollten.






