Immer noch messerscharf?
Cannondale Scalpel 2024 Test

Scott, Specialized, Orbea und Mondraker haben vorgelegt. Jetzt zieht Cannondale nach. Das 2024er Cannondale Scalpel Racefully gibt es nur noch mit 120 mm Federweg. Wird es mit dem neuen Ansatz seinem ikonischen Ruf gerecht?

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Henrique Avancini und Mona Mitterwallner gewannen mit dem alten Scalpel jeweils die Marathon-Weltmeisterschaften. Die Kombination aus Alan Hatherly und Cannondale Scalpel war im Worldcup 2023 ein Top-10-Dauerbrenner. Die Fußstapfen, in die das neue Scalpel tritt, sind groß, die optischen Änderungen zum Vorgänger fallen dagegen eher klein aus.

Die Formsprache wird minimal geradliniger, bleibt im Großen und Ganzen aber erhalten. Vor allem das markante Flex Pivot Design im Bereich der Kettenstrebe sorgt hier für Aufsehen. Die Züge verlaufen jetzt durch den Steuersatz. Alles Kleinigkeiten mit Blick auf die Katze, die Cannondale mit dem neuen Scalpel wirklich aus dem Sack lässt.

Cannondale Scalpel Test
Das neue Cannondale Scalpel bleibt nicht nur wegen der Lefty-Gabel eines der ästhetischsten Bikes auf dem Markt. Können die Fahreigenschaften mit der Optik mithalten?

Quick Facts zum neuen Cannondale Scalpel Fully

  • Modelle: 6 Modelle ab 4.999 €
  • Größen: 4 von S bis XL
  • Laufradgröße: 29 only
  • Federweg: 120 / 120 mm
  • Preis: 9499 € (Scalpel 1)
  • Gewicht: 11,4 Kilo (Scalpel 1)
  • Rahmengewicht: 1964 Gramm
  • Tretlagerstandard: BSA (geschraubt)
  • Besonderheit: Lefty-Gabel in den Topmodellen
Cannondale Scalpel 120
Cannondale streicht sein 100 mm Racefully aus der Produktpalette. Das neue Scalpel gibt es nur noch mit 120 mm Federweg an Gabel und Dämpfer.

Cannondale streicht sein 100 mm Race-Fully aus dem Katalog.

Der Trend zeichnet sich auf der Rennstrecke und in den Bikeshops schon länger ab: Scott, Specialized, Orbea, Mondraker und viele mehr haben unlängst ihre 100 mm Racefullys aus dem Katalog gestrichen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Darum streichen immer mehr Hersteller ihre 100-mm-Racefullys:

  • Rennstrecken werden extremer und verlangen nach mehr Federweg.
  • Hersteller müssen aus wirtschaftlichen Gründen die Produktpaletten reduzieren.
  • Bikes mit mehr Federweg decken einen breiteren Einsatzbereich ab.
Cannondale Race-Fully Test
Mehr Federweg, eine Teleskopstütze und breite Reifen machen das Bike fit für steilere Trails. Aber es wird dadurch auch schwerer.

Mit den ersten beiden Punkten haben wir uns in unserem Racebike Systemvergleich intensiv auseinandergesetzt. Das Ergebnis: Racebikes mit 120 mm Federweg und einer Teleskopstütze haben bei einem Mehrgewicht von unter einem Kilo einen deutlich breiteren Einsatzbereich. Dabei steigt nicht nur der Komfort, sondern vor allem auch der Fahrspaß. Der finale Satz aus unserem Fazit von damals bringt es auch heute noch auf den Punkt:

… das 100 Millimeter Racebike behält seine Berechtigung nur noch für einen kleinen Kundenkreis. Für den Rest der Welt ist die moderne Auslegung von so einem Racebike ein echter Segen, mit deutlich mehr Fahrspaß als die klassischen Versionen…

Fazit – Racebike Systemvergleich

Kurzum: Wir weinen der alten Version nicht hinterher. Wer unbedingt ein 100 mm Racefully will, findet das nach wie vor zum Beispiel bei Firmen wie Cube, Canyon oder Cervélo. Uns interessiert viel mehr eine Frage.

Cervélo ZFS 5
Wer immer noch ein klassisches 100 mm Racefully sucht, findet das nach wie vor auf dem Markt. Das Cervelo ZFS 5 bringt nur 10 Kilo auf die Waage, ist aber sündhaft teuer.
Cannondale Lux World Cup
Canyon hat mit dem Lux World Cup 8 auch eine bezahlbarere 100-mm-Version eines klassischen Racefullys mit 100 mm im Angebot. 11,4 Kilo wiegt das Bike bei einem Preis von 5499 €.

Wie viel Racebike steckt noch im neuen Cannondale Scalpel?

Der Blick auf die Geometrie macht eindeutig klar: Das neue Scalpel ist kein schneller Abklatsch des alten Scalpel SE, das bisher immer den 120-mm-Bereich bedient hat. Der Reach ist im Vergleich dazu deutlich gewachsen. Ein super kurzes Steuerrohr von gerade mal 100 mm in Größe L kompensiert nahezu den zusätzlichen Federweg, den das neue Racebike jetzt an der Gabel hat. Zum Vergleich, das Steuerrohr des Vorgängers war 15 mm länger. Trotz 120 mm Federweg wächst der Stack in Größe L nur um 4 mm im Vergleich zum alten Racebike.

Cannondale Scalpel Sitzposition
Die Sitzposition des neuen Cannondale Scalpel bleibt trotz mehr Federwegs auf der sportlichen Seite.

So behält sich das Scalpel trotz mehr Federweg eine sportliche, vortriebsorientierte Sitzposition. Der Lenkwinkel wird nochmal flacher als beim alten Scalpel SE. Typisch Cannondale sind auch die mit der Größe mitwachsenden Kettenstreben, die auch in den Größen L und XL für eine ausbalancierte Lastverteilung zwischen Vorder- und Hinterrad sorgen. Geometrietechnisch bleibt das neue Scalpel ein echtes Racebike.

SIZE XXS XS S M L XL XXL
Hersteller-Größenbezeichnung
-
-
SM
MD
LG
XL
-
Laufradgröße
-
-
29
29
29
29
-
Stack
-
-
595
595
604
613
-
Reach
-
-
425
450
475
510
-
Oberrohrlänge
-
-
579
597
625
669
-
Sitzrohrlänge
-
-
380
400
445
500
-
Sitzwinkel
-
-
75,5
75,5
75,5
75,5
-
Steuerrohrlänge
-
-
90
90
100
110
-
Lenkwinkel
-
-
66,6
66,6
66,6
66,6
-
Tretlagerabsenkung
-
-
42
42
42
42
-
Tretlagerhöhe (absolut)
-
-
334
334
334
334
-
Kettenstrebenlänge
-
-
434
438
442
446
-
Radstand
-
-
1146
1175
1208
1251
-
Überstandshöhe
-
-
736
744
752
763
-
Cannondale Scalpel Steuerrohr
Das Steuerrohr ist in Größe L nur 100 mm lang und ermöglicht eine tiefe Front.
Cannondale Scalpel Kettenstreben
Typisch Cannondale: Auch beim neuen Scalpel wachsen die Kettenstreben mit der Rahmengröße mit.

Thema Gewicht – keine Benchmark, aber konkurrenzfähig

Racer sind beim Thema Gewicht picky. Viele akzeptieren das Mehrgewicht, das die Teleskopstütze und der zusätzliche Federweg eines modernen Racebikes mit sich bringen, nur zähneknirschend. Mit einem Gesamtgewicht von 11,4 Kilo ist das Scalpel 1 konkurrenzfähig, setzt aber keine Benchmark.

Cannondale Scalpel Rahmengewicht
Wir haben unser Testbike gestrippt, um das Rahmengewicht separat zu ermitteln.
Cannondale Scalpel-Rahmengewicht
Mit 1965 Gramm in Rahmengröße L (ohne Dämpfer, aber mit Gummischonern) ist das Rahmengewicht sehr gut, aber keine Benchmark.

Natürlich haben wir, wie auch bei den anderen Racebikes, die wir vor der Saison 2024 schon in der Hand hatten, das Rahmengewicht einzeln ermittelt. Der Rahmen des Scalpel 1 Modells für 9499 € entspricht nicht der allerhöchsten Verarbeitungsstufe von Cannondale, ist mit 1960 Gramm aber leichter als viele Konkurrenten. Auch wenn der Rahmen des Scalpel LAB71 für 12999 € nochmal ein paar Gramm leichter ist, wird er die Duftmarke, die Specialized mit dem Epic zuletzt gesetzt hat, nicht knacken.

BIKE FEDERWEG GEWICHT RAHMENGEWICHT PREIS
Cannondale Scalpel 1 Lefty 120 / 120 mm 11,4 kg 1960 Gramm 9.499 €
Specialized Epic S-Works 120 / 120 mm 10,46 kg 1683 Gramm 14.500 €
Mondraker F-Podium 120 / 110 mm 11,55 kg 2133 Gramm 7.999 €
Canyon Lux Trail 120 / 115 mm 11,4 kg 2133 Gramm 6.999 €
Scott Spark RC 120 / 120 mm 10,3 kg * 1870 Gramm * 13.999 €
Orbea Oiz 120 / 120 mm 10,4 Kg 1740 Gramm* 10.399 €
Cervelo ZFS 5 100 / 100 mm 10,0 kg 1705 Gramm 11.299 €
Rose PDQ (Hardtail) 120 / - mm 9,7 Kilo 1048 Gramm 6.999 €

Cannondale geht das Feature-Battle nicht mit

Cannondale war schon immer dafür bekannt, sein eigenes Ding zu machen, und davon lassen sich die Amis auch beim neuen Scalpel nicht abbringen. Während die Konkurrenz versucht, sich mit Features zu überbieten, verzichtet Cannondale auf das aktuell modische Staufach im Unterrohr oder einen Lenkanschlagsbegrenzer im Steuersatz.
Hat man in der Rahmengröße L zwei 10 mm Spacer unter dem Lenker, berührt auch bei vollem Einschlag kein Schalt- oder Bremshebel das tief gezogene Oberrohr. In diesem Setup besteht also keine Gefahr, den Rahmen bei einem Sturz zu beschädigen. Bei tiefer montierten Lenkern kann das der Fall sein.

Cannondale Scalpel Lenkanschlagsbegrenzer
Das neue Scalpel hat keinen Lenkanschlagsbegrenzer. Mit zwei Spacern unter dem Vorbau berührt weder Brems- noch Schalthebel das Oberrohr bei einem Sturz. Bei einem tiefer montierten Lenker wird das der Fall sein.

Auch das integrierte Minitool, das der Vorgänger unter dem Flaschenhalter hatte, gibt es nicht mehr. Es scheint so, als wolle man sich ganz auf das Wesentliche konzentrieren.

Rahmenstandards am neuen Cannondale Scalpel:

  • Tretlager: BSA (geschraubt)
  • Zugführung: durch den Steuersatz (und Lenker)
  • Sattelstütze: 31,6 mm
  • Flaschenhalter: Platz für zwei große Flaschen im Rahmen

Das ästhetischste Flex-Pivot-Design der Rennstrecke

Die allermeisten Racefullys sparen sich ein Gelenk im Hinterbau und arbeiten stattdessen mit flexenden Sitz- oder Kettenstreben. So imposant wie Cannondale löst aber niemand das Thema mit dem Flex im Hinterbau. Mit den ultraflachen Kettenstreben reduziert Cannondale die nötige Kraft, um den Hinterbau beim Einfedern zum Feilen zu bringen.

Cannondale Flex Pivot
Flacher geht nicht. Cannondale reduziert die Kettenstreben kurz vor dem Schaltwerk auf ein Minimum.
Cannondale Flex Pivot
Die dünnen Kettenstreben ersetzen ein Gelenk im Hinterbau und flexen, sobald dieser komprimiert wird.

Komprimiert man den Rahmen ohne Dämpfer, merkt man dennoch, dass sich der Hinterbau nicht völlig frei bewegen kann, da er mit seinem Flex Pivot etwas unter Spannung steht. Mondrakers F-Podium ist eines der ganz wenigen Racefullys, die einen völlig gelagerten Hinterbau haben und diesen Effekt nicht zeigen. Alle anderen Hersteller wie Canyon, Scott oder Specialized arbeiten ebenfalls mit Flex im Hinterbau anstelle eines zusätzlichen Lagers. Das spart Gewicht.

Mit dem Auge eines Mechanikers: Durchdacht, aber in Teilen auch unglücklich

Wenn moderne Racefullys nicht auf das jüngst vorgestellte Flight Attendant Fahrwerk von RockShox setzen, gibt es eine Herausforderung für diese Bikes: Mit Bremse, Sattelstütze, Dämpferlockout und möglicherweise noch Schaltzug müssen 3-4 Leitungen durch den Steuersatz nach hinten geführt werden.

Als Troubleshooter im Bereich des Steuersatzes vertraut Cannondale, wie die allermeisten Anbieter auf dem Markt, auf einen Steuersatz von Acros, der die Sache auch gut löst. Und auch wenn es viele Stimmen gibt, welche die Zugverlegung durch den Steuersatz absolut verteufeln, bleiben wir bei unserem Statement: Baut man die Gabel aus, was man zwangsläufig muss, lassen sich die Leitungen leichter durch den Rahmen fädeln als durch kleine Öffnungen neben dem Steuerrohr.

Cannondale Scalpel Zugverlegung
Die Leitungen für Bremse, Sattelstütze und Dämpfer-Lockout werden durch den Steuersatz und Lenker verlegt.
Cannondale Carbon-Lenker-Vorbau-Einheit
Leider ist das Durchführen der Leitungen durch die Engstelle am Lenker etwas fummelig. Dafür kann der Lenker super tief montiert werden.

Schade ist nur, dass Cannondale die Zugführung zusätzlich noch durch die hauseigene Lenker-Vorbau-Einheit legt und man hier mit 3 Kabeln wirklich nochmal ein Nadelöhr überbrücken muss. Ein Detail, das auf der Rennstrecke oder dem Trail völlig egal ist, in der Werkstatt aber für etwas Mehraufwand sorgt. Die preiswerteren Modelle bis zum Cannondale Scalpel machen es hier den Mechanikern einfacher, weil sie keine Lenker-Vorbau-Einheit, sondern einen normalen Vorbau haben, durch den die Züge nicht verlaufen.

Zugklemmung
Die Zugklemmung im Unterrohr wird von außen angezogen und sorgt dafür, dass die Leitungen im Inneren nicht klappern.

Ein spannendes Detail ist, dass Cannondale die Züge mit zwei Klemmengen im Unterrohr mehr oder weniger fixiert. So können die Züge unter Spannung eingebaut werden. Das beugt Klappergeräuschen vor und verhindert, dass schlagende Leitungen langfristig den Rahmen von innen aufreiben.

Etwas komisch für Mechaniker ist, dass man die hintere Dämpferbefestigung nicht entfernen kann, ohne nicht auch den Hinterbau vom Rocker zu schrauben. Schnell mal den Bolzen nachfetten oder reinigen dauert hier etwas länger.

Scalpel Dämpferhardware
Wer den Dämpfer ausbauen will, muss auch eine Hinterbauschraube dazu lösen. Denn die Dämpferschraube ist nur erreichbar, wenn man die Druckstrebe vom Rocker trennt.
Cannondale Wheel Sensor
Der ab Werk verbaute Wheelsensor kann mit der Cannondale App ausgelesen werden und verrät, welche Ersatzteile man für das Bike braucht oder wie viel man damit schon gefahren ist.

Ausstattung des Scalpel 1 Modells

Für 9499 € liefert Cannondale kein Ausstattungsfeuerwerk. Die Sram Level Silver Bremsen haben immerhin 4 Bremskolben, entsprechen aber wie die Schaltung oder der Dämpfer im Heck nicht der höchsten Qualitätstufe, die Rock Shox bzw. Sram anbietet. Hier ist noch Luft nach oben. Bei der Geometrie trifft Cannondale dagegen den Nagel auf den Kopf.

Die wichtigsten Wertungen des Scalpel 1 Lefty im Vergleich zum relevanten Marktumfeld (Downcountry-Bike über 8000 €) .

Butter bei die Fische: Wie fährt das neue Scalpel?

Die ersten Meter im Sattel machen klar: Dieses Bike ist kein weichgespültes Tourenfully. Die Sitzposition bleibt trotz mehr Federweg sportlich. Die Last des Oberkörpers verteilt sich spürbar zwischen Händen und Gesäß. Mit 4,1 Kilo bewegen sich die Laufräder mit Reifen, Kassette und Bremsscheiben im Bereich des Üblichen in dieser Preisklasse. Gut vorankommt man mit dem Scalpel vor allem, weil der Maxxis Aspen-Hinterreifen nahezu keinen Widerstand beim Treten leistet.

Cannondale Scalpel Fully Test
Geht voran. Dank sportlicher Sitzposition und gut rollenden Reifen bleibt das Scalpel sportlich. Beim Cape Epic hat es das mit einem Podestplatz bei den Damen bereits bewiesen.

Eigentlich betonen wir immer, dass man darauf achten sollte, dass man ein Fahrwerk mit 3 Fahrwerksmodi hat. Beim Scalpel ist das nicht der Fall. Man kann die Lefty und den Dämpfer entweder zeitgleich blockieren oder eben offen lassen. Allerdings macht er im offenen Zustand beim Treten nahezu keine Bewegung, sodass man die fehlende Pedalplattform in diesem Fall gut verkraften kann. Der Twistlock Hebel funktioniert gut, und die Druckstufenabstimmung der Lefty ist sehr effektiv, sodass man auch ihr das leichte Wippen im offenen Modus gut abgewöhnen kann. Schnell vom Fleck kommt man mit dem neuen Scalpel, aber wie fährt es bergab?

Scalep Fahrwerk
Das Fahrwerk des Scalpels hat keine Zwischenstufe. Man kann es entweder blockieren oder offen fahren.
Rock Shox TwistLoc
Sowohl die Lefty als auch der Dämpfer werden mit dem Twist Lock-Hebel von Rock Shox blockiert.

Bergab: Geometrie & Fahrwerk machen den Unterschied

Cannondale konzentriert sich mit dem Scalpel tatsächlich auf das Wesentliche. Denn auch wenn man beim Gewicht keine Benchmark setzen kann, zeigt Cannondale bei der Geometrie ein super geschicktes Händchen. Das Handling des Bikes ist sehr direkt und der Charakter auf dem Trail bleibt ausgewogen. Auch enge Kehren packt das Scalpel ohne Probleme. Das tiefe Tretlager vermittelt bergab jederzeit ein sicheres Fahrgefühl.

Cannondale Scalpel bergab
Das Handling auf dem Trail gelingt intuitiv. Bergab kommt mit dem Scalpel ein durchweg sicheres Fahrgefühl auf. Die Geometrie ist wahrlich gelungen.

Und auch wenn bei der Optik der Gabel oft Skepsis aufkommt, so liefert die Lefty Ocho im Gelände ab. Dank Upside-Down-Bauweise ist sie bei einem Gewicht von 1579 Gramm bremssteifer als andere 120er Gabeln. Bei dieser Konstruktion ist die Gabel im Bereich der Krone, wo die höchsten Biegekräfte beim Fahren auftreten, einfach massiver gebaut als herkömmliche Gabeln. Und diesen Joker spielt die Lefty auf dem Trail gnadenlos aus.

Cannondale Lefty Ocho Carbon
"Suspension of disbelief" – so hat Cannondale seine Lefty einst provokant beworben. Die Optik polarisiert, die Funktion dagegen überzeugt.
Cannondale Lefty Ocho Carbon
Die Lefty Ocho-Gabel ist dort am massivsten, wo beim Bremsen die höchsten Biegemomente entstehen: im Bereich der Gabelkrone.
Cannondale Lefty Ocho Carbon
Wer das Vorderrad ausbauen will, muss die Bremse mit einem Schnellspannerhebel vom Gabelholm lösen.

Die Nadellager, auf denen die Gabel läuft, sorgen auch im Fahrbetrieb oder beim Anbremsen für ein super sensibles Ansprechverhalten. Denn Buchse und Lauffläche können dank der Lagerung nicht miteinander verkanten. Und die Kombination aus guter Funktion und hoher Steifigkeit vermittelt ein sicheres Fahrgefühl bei nur 120 mm Federweg in der Abfahrt.

Die SRAM 4-Kolben Bremsen sorgen für die nötige Verzögerung. Einzig der profillose Hinterreifen hemmt den Spaßfaktor bergab etwas. Bei Nässe oder in Kurven fehlt es dem Maxxis Aspen etwas an Grip.

Cannondale Lefty Ocho Test
Das sensible Fahrwerk weiß im Gelände zu überzeugen. Der Maxxis Aspen Hinterreifen könnte aber etwas mehr Grip vertragen.

Fazit zum 2024er Cannondale Scalpel

Cannondale konzentriert sich mit dem neuen Scalpel auf das Wesentliche. Trotz mehr Federweg behält das Racebike eine sportliche Sitzposition. Bergab überzeugt das Bike dank gelungener Geometrie. Beim Fahrwerk bleibt Cannondale seiner Lefty treu und wird mit der extravaganten Optik viele Biker ansprechen. Aber das einarmige Konzept weiß auch auf dem Trail zu überzeugen. Beim Gewicht gibt man sich keine Blöße, setzt aber auch keine Benchmark. Das neue Scalpel ist ein Bike, das die Gratwanderung zwischen sportlichem Racebike und Spaßmaschine bergab besser schafft als viele andere.

Fazit zum 2024er Cannondale Scalpel
Das neue Scalpel schafft den Spagat zwischen effizientem Racebike und spaßorientiertem Fully sehr gut.

Ausstattungsvarianten und Marktübersicht

Das Scalepl gibt es in 6 Ausstattungsvarianten von 4.999 – 12.999 Euro. Wir haben einen Blick auf alle Optionen geworfen. Mit dem Pfeil-Symbol Bikes direkt vergleichen, könnt ihr die einzelnen Modelle auch in den Vergleich mit jedem anderen Bike aus unserer großen Marktübersicht ziehen.

Über den Autor

Ludwig

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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