Rotor Uno MTB Schaltung im Test
Der spanische Komponenten-Spezialist Rotor ist weltbekannt für seine edlen CNC-gefrästen Kurbeln und ovalen Kettenblätter. Nachdem die Madrilenen mit der hydraulischen „Uno“ bereits Rennrad-Luft geschnuppert haben, folgt nun der große Angriff auf den Mountainbike-Sektor. Wir haben die kabellose Rotor Uno MTB exklusiv getestet und geprüft, ob sie den Platzhirschen SRAM und Shimano gefährlich werden kann.
Montage & App-Setup: Ein Paradies für Individualisten
Die Montage der Rotor Uno geht grundsätzlich leicht von der Hand, unterscheidet sich aber deutlich von der Konkurrenz. Während man bei SRAM oder Shimano mit einer mechanischen Grundeinstellung startet, läuft bei Rotor ohne die App gar nichts.
Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist die Vielseitigkeit: Die Uno kann von der 3-fach Oldschool-Kassette bis hin zur zukünftigen 14-fach-Lösung alles bedienen. Besonders spannend: Jeder einzelne Gang lässt sich per App individuell ansteuern und justieren. Wer also eine unsauber laufende Kassette eines Drittherstellers fährt, kann hier chirurgisch genau nachbessern.
Kritikpunkt: Für „Oldschool-Mechaniker“ könnte die totale App-Abhängigkeit abschreckend wirken. Zudem ist die untere Anschlagschraube unter einem Plastikcover versteckt – eine unnötig fummelige Angelegenheit.
Verarbeitung: Schickes Finish mit Detailmängeln
Optisch macht die Uno zunächst einiges her, doch im Detail zeigen sich Schwächen. Rotor setzt auf kleine 2 mm Inbus-Schrauben für die Justage. Diese sind an kaum einem Minitool zu finden und neigen bei Matsch und Dreck extrem schnell zum Runddrehen.
Auch die Haltbarkeit der Oberflächenbehandlung enttäuschte im Test: Bereits nach wenigen Wochen löste sich die schwarze Beschichtung an den Kontaktstellen. Zudem liegen die Kabel am Schaltwerk relativ offen und die Konstruktion bietet viele kleine Winkel, in denen sich Dreck hartnäckig sammelt.
Tipp vom Tester: Wer viel im Schlamm fährt, sollte das Schaltwerk regelmäßig penibel reinigen, da der Ladekontakt 100 % sauber sein muss, damit der Strom fließt. Ein Metallspan, der magnetisch am Ladekabel hing, hat uns ziemlich Nerven gekostet während des Ladens.
Auf dem Trail: Lichtgeschwindigkeit und Funkstille
In der Praxis zeigt die Uno zwei Gesichter. Die Schaltgeschwindigkeit ist beeindruckend und liegt eher auf dem Niveau der rasanten Shimano-Systeme als bei der etwas gemächlicheren SRAM-Konkurrenz. Die Kette knallt dabei jedoch recht lautstark auf die Ritzel, und das Schalten unter Last ist zwar möglich, aber bei weitem nicht so „smooth“ wie bei einer T-Type-Gruppe.
Zwei Dinge haben uns im Test massiv gestört:
- Fehlender Cage-Lok: Wer einmal ein Hinterrad bei einem SRAM-Schaltwerk mit Arretierung gewechselt hat, wird das System bei Rotor schmerzlich vermissen. Es ist schlichtweg nervig.
- Zuverlässigkeit: Im Test kam es vor, dass der Hebel zwar klickte, das Schaltwerk aber nicht reagierte. Solche "Ghost-Clicks" darf sich eine Gruppe in diesem Preissegment eigentlich nicht erlauben.
Zudem wandert der Schalthebel trotz fester Montage während der Fahrt gerne nach hinten, da die Arretierung nicht zu 100 % formschlüssig greift. Auch hier ist die Torx 15 Schraube zur Arretierung schlichtweg zu klein dimensioniert. Man kann das mit Unterlegscheiben zwischen Klemmschelle und Hebelsteg anpassen, will das bei einem Premiumprodukt aber nicht.
Das Akku-Dilemma
Das größte „No-Go“ für viele Rider dürfte der fest verbaute Akku sein. Mit 600 mAh bietet er zwar die doppelte Kapazität eines SRAM-Akkus, doch ist er leer, steht das Bike still. Ein schneller Tausch auf dem Trail oder der Parkplatz-Check („Habe ich den Ersatzakku dabei?“) fallen flach. Hier hat Rotor zugunsten des Designs eine unpraktische Entscheidung getroffen. Die generelle Akkulaufzeit von über 30 h ist gut, die Option für einen Wechselakku muss aber dennoch her.
Preise und Gewichte
Man bekommt die Schaltung, also das Schaltwerk, für 690 € auf der Rotor Homepage. Das ist etwa 100 € mehr als eine aktuelle Shimano Di2. Aktuell gibt es einige Angebote in diesem Preisbereich, wo man eine ganze Sram GX Eagle Transmission Gruppe inklusive Kassette und Kette bekommt.
So gesehen, muss Rotor beim Preis nachbessern. Der Handel wird hier sicher deutlich günstigere Preise zum Vorschein bringen. Gewichtstechnisch ist man mit 402 für das Schaltwerk auf Augenhöhe, bzw. sogar etwas leichter als die Top Gruppen wie der Sram XX Transmission und der Shimano XT. Wobei die Gewichtsersparnis im Bereich von 20 – 30 Gramm liegt und mit Blick auf das komplette Bike nicht wirklich relevant ist. Man holt sich auf alle Fälle ein leichtes Schaltwerk.
Pro
- Enorm flexibel (3- bis 14-fach möglisch)
- Jeder Gang einzeln fein justierbar
- Schnelle Gangwechsel (Shimano-Niveau)
Contra
- Akku fest verbaut (nicht austauschbar)
- Empfindlicher Ladekontakt
- Gelegentliche Aussetzer bei Schaltbefehlen
- Kritik bei Verarbeitungen
Spannende weiterführende Links:
Wir haben auch die Sram AXS Transmission sowie die mechanische Sram Transmission schon ausführlich getestet. Und wer sich für E-Bike und Schaltung interessiert, dürfte auch unseren Test der Pinion MGU interessant finden.
Fazit: Ein vielversprechender Exot mit Nachbesserungsbedarf
Die extreme Flexibilität bei der Ganganzahl und die präzise Einzeljustierung pro Gang sind Alleinstellungsmerkmale der Rotor Uno. Wer ein individuelles Bike aufbauen will und gerne mit der App spielt, findet hier ein spannendes Spielzeug. Es fehlen aber knallharte Vorteile in der Funktion gegenüber Sram oder Shimano, dass sich der Wechsel von den etablierten Giganten tatsächlich lohnt.
Außerdem trüben Kinderkrankheiten wie der fest verbaute Akku, die empfindlichen 2 mm Schrauben und gelegentliche Aussetzer des Schalthebels das Gesamtbild. Für den harten Renneinsatz oder für Fahrer, die „Sorglos-Technik“ suchen, muss Rotor in der zweiten Generation definitiv noch einmal nachbessern.






