Sram justiert nach

SRAM Maven B1 im Test

SRAM hat auf die Kritik der Mountainbike-Community reagiert: Mit der neuen Maven B1 erhält die leistungsstärkste Bremse im Portfolio ein entscheidendes Update. Während die massive Verzögerungskraft der A1-Vorgängerversion erhalten bleibt, verspricht die B1-Generation durch ein neues Hebelverhältnis und optimierte Kolbendurchmesser eine signifikant verbesserte Dosierbarkeit und ein Ende der hohen Bedienkräfte.

Sram Maven B1 Test
Die neue Sram Maven ist nicht leichter oder stärker geworden als ihr Vorgänger. Sram hat den Hebel diesmal sprichwörtlich bei der Dosierung angesetzt.

Der Marktstart der ersten Maven-Generation im März 2024 markierte eine Zäsur im Bremsensegment. Sram war davor eher im Verruf, wartungsintensive und eher schwache Bremsen zu bauen. Mit der ersten Generation der Maven hat sich das geändert. Keine andere Großserienbremse lieferte eine derart massive Power, die selbst schwerste E-Mountainbikes in steilstem Gelände souverän verzögerte.

Doch die schiere Kraft erkaufte man sich mit einem etwas höheren Losbrechmoment am Hebel und einer eher digitalen Bremscharakteristik. Für die Dosierung war Fingerspitzengefühl gefragt. Mit dem Update auf die Version B1 (März 2026) wurde das Herzstück – das Swinglink-System im Hebel – grundlegend überarbeitet.

Ziel war es, den hohen Hebelwiderstand zu eliminieren, der bei langen Abfahrten zu Arm-Pump führen kann. Das Vorgängermodell setzte hier die Messlatte für reine Kraft bereits extrem hoch, ließ aber die Feinheit vermissen, die nun die B1-Version charakterisieren soll.

Sram Maven Update
Die große Veränderung liegt dabei primär in der Konstruktion des Umlenkhebels im Inneren des Bremshebels.
Sram Maven Bremshebel
Damit wir den Unterschied wirklich erfahren konnten, haben wir an der Hinterbremse eine Sram-Maven-Bremse der ersten Generation verbaut gelassen und am Vorderrad die neue B1-Generation der Maven verbaut.
Sram Maven Erfahrung
So konnten wir den Unterschied zwischen Vorgänger und Nachfolger sauber beurteilen.
Sram Maven B1 Update
Der kleine goldene Gelenkhebel verändert die Dosierbarkeit tatsächlich spürbar.

Dosierbarkeit: Das Ende der digitalen Ära

Wir haben die neue Sram Maven Bremse im direkten Vergleich mit dem Vorgänger. Dass das Losbrechmoment reduziert wurde, ist im Links-zu-Rechts-Vergleich nicht zu leugnen. Hier kann man der Marketingaussage von Sram tatsächlich vollumfänglich glauben. Anstelle des klar spürbaren Losbrechmoments bei der A1 Version gleitet der Hebel jetzt fast linear ohne Anfangsmoment in den Bereich rein, wo die Beläge auch an der Scheibe anliegen.

Die auffälligste Änderung im Fahrbetrieb betrifft den ersten Bereich des Hebelwegs. Während die A1-Version eine regelrechte „Wand“ beim Bremsvorgang darstellte, erlaubt das neue Swinglink-System tatsächlich auch eine feinere Modulation. In den ersten 20 bis 25 Prozent des Bremsbereichs lässt sich die Kraft nun deutlich sensibler einsteuern. Das ist besonders auf rutschigen Wurzelteppichen oder schlammigen Sektionen ein entscheidender Vorteil, da das gefürchtete Blockieren der Räder durch zu viel initiale Power minimiert wird. Ist es ein Gamechanger? Eher nicht. Aber es ist deutlich spürbar und angenehmer.

Die Bremskraft baut sich nun linearer auf, was dem Fahrer mehr Vertrauen schenkt und Schreckmomente verhindert.

Sram Maven B1 Bremssattel
Auch am Sattel hat sich etwas getan. Er sieht zwar optisch gleich aus, verwendet aber jetzt nur noch 18 mm Kolben. Früher hatte ein Kolbenpaar 19,5 mm. Der Anstoß zu dieser Änderung kam aus dem Downhill Worldcup.
Sram Maven A1 Bremssattel
Das ist der Bremssattel der Maven A1. Optisch ist hier kein Unterschied zur neuen B1 Version zu erkennen. Mit seiner massiven Bauweise ist Hitze für diese Bremsanlage kein Thema.

Technische Evolution: Vier Kolben für ein Halleluja

Technisch vollzieht SRAM einen interessanten Schritt: Statt der bisherigen Kombination aus zwei 19,5 mm und zwei 18 mm Kolben arbeiten im B1-Sattel nun vier gleich große 18 mm Kolben. Damit geht das Flaggschiff unter den Sram Bremsen einen Schritt auf die eher günstigeren DB Modelle von Sram zu, die schon immer nur mit 18 mm Kolben arbeiten. Laut Sram hat sich das für eine bessere Dosierbarkeit auch unter den gesponserten Teams im Downhill Worldcup in der Saison 2025 bereits etabliert.

In Kombination mit dem geänderten Hebelverhältnis führt auch der Schritt auf die kleineren Kolben zu dem spürbar niedrigeren Losbrechmoment. Der Hebel lässt sich nun mit minimalem Fingerdruck an den Druckpunkt führen.

Ein weiterer Pluspunkt für Bestandskunden: Das gesamte System ist rückwärtskompatibel. Wer bereits eine Maven der A1-Serie besitzt, kann die neuen Hebel über ein Tuning-Kit nachrüsten.

Sram Maven Sondermodell
Sonderversionen wie zum Launch der ersten Maven gab es bei der Maven Bremse der zweiten Generation nicht mehr.

Alltags-Realität: Gewicht und Service

Mit 352 Gramm für die Vorderbremse (exklusive Scheibe) bleibt die Maven ein massives Bauteil, was angesichts der thermischen Stabilität und der großen Belagfläche absolut gerechtfertigt ist.

Interessant ist die Beobachtung aus der Werkstattpraxis: Während die Maven langfristig als sehr zuverlässige Bank gilt, zeigten sich zuletzt an Neurädern öfter Modelle, die ab Werk nicht perfekt entlüftet waren.

Ein sauberer Bleed-Vorgang und die sogenannte „Pad-Massage“ sind essenziell, um das volle Potenzial der Bremse auszuschöpfen. Einmal korrekt eingestellt, bleibt der Druckpunkt jedoch knüppelhart.

Sram Maven Mineralöl
Wir mussten jüngst bei einigen Bikes mit Mavens den Bleedport nutzen, um den Druckpunkt knackig hinzubekommen. Das war in der Werksausführung nicht immer gegeben.
Sram Maven Test
Wir hatten die neuen maven Bremsen schon an einigen Testbikes verbaut. Vor allem bei rutschigen Verhältnissen wird die bessere Dosierbarkeit bemerkbar.

Vorteile

  • Herausragende Bremskraft für schwerste Einsätze
  • verbesserte Dosierbarkeit durch B1-Update
  • geringe Bedienkräfte reduzieren Arm-Pump
  • Rückwärtskompatibilität der Hebeleinheit

Nachteile

  • Erhöhter Wartungsaufwand beim initialen Entlüften
  • Vergleichsweise hohes Systemgewicht
Sram DB 8 Test
Die SRAM DB Bremsen, die wir z.B. am Santa Cruz Vala AL hatten, profitieren nicht vom neuen Hebelupdate, haben aber bereits die 18 mm Kolben wie die neue SRAM Maven B1.

Fazit zur neuen SRAM Maven

Die SRAM Maven B1 ist die logische Weiterentwicklung einer bereits starken Bremse. SRAM hat genau dort angesetzt, wo es nötig war: bei der Modulierbarkeit. Das Ergebnis ist eine Bremse, die nicht mehr nur durch rohe Gewalt überzeugt, sondern sich jetzt auch in technisch anspruchsvollem Terrain mit chirurgischer Präzision bedienen lässt. Für E-Mountainbiker und Gravity-Piloten ist sie aktuell die Messlatte in Sachen Performance.

Über den Autor

Ludwig Döhl

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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