SRAM Maven B1 im Test
SRAM hat auf die Kritik der Mountainbike-Community reagiert: Mit der neuen Maven B1 erhält die leistungsstärkste Bremse im Portfolio ein entscheidendes Update. Während die massive Verzögerungskraft der A1-Vorgängerversion erhalten bleibt, verspricht die B1-Generation durch ein neues Hebelverhältnis und optimierte Kolbendurchmesser eine signifikant verbesserte Dosierbarkeit und ein Ende der hohen Bedienkräfte.
Dosierbarkeit: Das Ende der digitalen Ära
Wir haben die neue Sram Maven Bremse im direkten Vergleich mit dem Vorgänger. Dass das Losbrechmoment reduziert wurde, ist im Links-zu-Rechts-Vergleich nicht zu leugnen. Hier kann man der Marketingaussage von Sram tatsächlich vollumfänglich glauben. Anstelle des klar spürbaren Losbrechmoments bei der A1 Version gleitet der Hebel jetzt fast linear ohne Anfangsmoment in den Bereich rein, wo die Beläge auch an der Scheibe anliegen.
Die auffälligste Änderung im Fahrbetrieb betrifft den ersten Bereich des Hebelwegs. Während die A1-Version eine regelrechte „Wand“ beim Bremsvorgang darstellte, erlaubt das neue Swinglink-System tatsächlich auch eine feinere Modulation. In den ersten 20 bis 25 Prozent des Bremsbereichs lässt sich die Kraft nun deutlich sensibler einsteuern. Das ist besonders auf rutschigen Wurzelteppichen oder schlammigen Sektionen ein entscheidender Vorteil, da das gefürchtete Blockieren der Räder durch zu viel initiale Power minimiert wird. Ist es ein Gamechanger? Eher nicht. Aber es ist deutlich spürbar und angenehmer.
Die Bremskraft baut sich nun linearer auf, was dem Fahrer mehr Vertrauen schenkt und Schreckmomente verhindert.
Technische Evolution: Vier Kolben für ein Halleluja
Technisch vollzieht SRAM einen interessanten Schritt: Statt der bisherigen Kombination aus zwei 19,5 mm und zwei 18 mm Kolben arbeiten im B1-Sattel nun vier gleich große 18 mm Kolben. Damit geht das Flaggschiff unter den Sram Bremsen einen Schritt auf die eher günstigeren DB Modelle von Sram zu, die schon immer nur mit 18 mm Kolben arbeiten. Laut Sram hat sich das für eine bessere Dosierbarkeit auch unter den gesponserten Teams im Downhill Worldcup in der Saison 2025 bereits etabliert.
In Kombination mit dem geänderten Hebelverhältnis führt auch der Schritt auf die kleineren Kolben zu dem spürbar niedrigeren Losbrechmoment. Der Hebel lässt sich nun mit minimalem Fingerdruck an den Druckpunkt führen.
Ein weiterer Pluspunkt für Bestandskunden: Das gesamte System ist rückwärtskompatibel. Wer bereits eine Maven der A1-Serie besitzt, kann die neuen Hebel über ein Tuning-Kit nachrüsten.
Alltags-Realität: Gewicht und Service
Mit 352 Gramm für die Vorderbremse (exklusive Scheibe) bleibt die Maven ein massives Bauteil, was angesichts der thermischen Stabilität und der großen Belagfläche absolut gerechtfertigt ist.
Interessant ist die Beobachtung aus der Werkstattpraxis: Während die Maven langfristig als sehr zuverlässige Bank gilt, zeigten sich zuletzt an Neurädern öfter Modelle, die ab Werk nicht perfekt entlüftet waren.
Ein sauberer Bleed-Vorgang und die sogenannte „Pad-Massage“ sind essenziell, um das volle Potenzial der Bremse auszuschöpfen. Einmal korrekt eingestellt, bleibt der Druckpunkt jedoch knüppelhart.
Vorteile
- Herausragende Bremskraft für schwerste Einsätze
- verbesserte Dosierbarkeit durch B1-Update
- geringe Bedienkräfte reduzieren Arm-Pump
- Rückwärtskompatibilität der Hebeleinheit
Nachteile
- Erhöhter Wartungsaufwand beim initialen Entlüften
- Vergleichsweise hohes Systemgewicht
Fazit zur neuen SRAM Maven
Die SRAM Maven B1 ist die logische Weiterentwicklung einer bereits starken Bremse. SRAM hat genau dort angesetzt, wo es nötig war: bei der Modulierbarkeit. Das Ergebnis ist eine Bremse, die nicht mehr nur durch rohe Gewalt überzeugt, sondern sich jetzt auch in technisch anspruchsvollem Terrain mit chirurgischer Präzision bedienen lässt. Für E-Mountainbiker und Gravity-Piloten ist sie aktuell die Messlatte in Sachen Performance.






