Everybody´s Darling?
Das neue YT Jeffsy im Test

Das YT Jeffsy ist Everybodys Darling im Lineup des Direktversenders. Es ist leicht genug für die Feierabendrunde. Und stabil genug, um auch mal einen Besuch im Bikepark wegzustecken. Und dieses Gesamtpaket gab es immer zu einem vernünftigen Preis. Kann der neuste Sprössling der Jeffsy Dynastie das halten, was seine Vorgänger versprochen haben?

Youtube Video

Das neue Jeffsy MK3 bleibt den Wurzeln von YT treu.

YT Bikes haben Downhill Worldcups und Weltmeisterschaften gewonnen und waren bei der Rampage erfolgreich. Was letztendlich aber dazu geführt hat, dass sich Young Talent vom Nischenanbieter für Dirtjumper zum ernstzunehmenden Player im MTB Business gemausert hat, war die knallharte Preis-Leistungs-Schiene, welche die Franken von Anfang an gefahren sind. Mit dem Launch des neuen Jeffsys bleibt YT seinen Wurzeln treu. Während immer mehr Hersteller ihre Topmodelle für 10.000 € und mehr ins Schaufenster stellen, wirken die Preise für das neue Jeffsy in der MK 3 Version nahbar. Ab 2500 € bekommt man ein Alu-Modell. Das Topmodell mit Bling-Bling-Ausstattung wechselt für 5999 € den Besitzer. Die Preise stimmen, bleibt nur die Frage, wie es mit der Leistung auf dem Trail aussieht?

YT Jeffsy 2024 Test
Das YT Jeffsy Core 4 kostet 4999 €, hat 150 Millimeter Federweg an der Gabel und wiegt 15,5 Kilo. Aber was kann es auf dem Trail?
YT Jeffsy Action
Wir waren mit dem neuesten Jeffsy nicht nur auf zahmen Hometrails, sondern auch im Bikepark Geißkopf unterwegs, um ihm auf den Zahn zu fühlen.
YT Jeffsy MK3 Hinterbau
YT bleibt seinem klassischen 4-Gelenker Hinterbau auch beim neuesten Jeffsy treu. Wie weit reichen 145 Millimeter Federweg?

Was ist neu beim YT Jeffsy 2024?

YT hat nie versucht, die Stellung des Technologieführers am Markt einzunehmen. Und auch das Jeffsy kommt weder mit Rekordgewicht noch mit einem herausragenden Technik-Gimmick daher. Bei der Zugführung setzen die Entwickler auf den klassischen Zugeingang am Hauptrahmen und verwehren sich dem Trend der völligen Integration durch den Steuersatz. Die Anlenkung des 4-Gelenk-Hinterbaus bleibt in ihrem Prinzip unverändert, hat aber im Vergleich zum Vorgänger nur noch 145 Millimeter und damit 5 Millimeter weniger Federweg.

YT Jeffsy alt vs. neu.
Optisch ist das Bike sehr ähnlich zu seinem Vorgänger (grün/links). Am Prinzip des 4-Gelenker-Hinterbaus wurde nichts geändert. Die Geometrie wird minimal länger und flacher.

Außerdem wird der Hauptrahmen (Reach) um 5 Millimeter in der Länge korrigiert. Der Lenkwinkel wird um einen Grad flacher. Damit reagiert YT auf den anhaltenden länger-flacher Trend, ohne komplett auszuflippen. Das neue Staufach im Unterrohr und der ab Werk verbaute Storagehalter am Unterrohr machen den Hip- oder wahlweise auch Camelbak auf der Feieradendrunde überflüssig. Ohhh, yes!

YT Jeffsy Staufach im Unterrohr
Im Staufach ist Platz für Snacks, ein Minitool und Autoschlüssel. Außerdem passt eine 600 Milliliter Trinkflasche unter dem Dämpfer.
Crankbrothers Storage Halter
Der Storagehalter am Oberrohr ist ab Werk inklusive und hat Platz für einen Reifenheber, Schlauch und Tireplugs.

Alle Standards am YT Jeffsy MK3

  • Rahmen: Core 1 & 2 Alu - Core 3, 4 & 5 Carbon
  • Federweg vorne: 150
  • Federweg hinten: 145
  • Tretlager: Pressfit
  • Kettenführung: ISCG-Aufnahme vorhanden
  • Bremsaufnahme: Postmount 180 (hinten & vorne)
  • Zulegung: Intern mit Führungsröhrchen
  • Flaschenhalter: 1x unter dem Dämpfer + optional ein zweiter anstelle des Storagehalters
  • Besonderheit: Staufach im Unterrohr, Flip Chip zur Geoverstellung
YT Jeffsy im Bikepark
Murmelbahnen wie der Flowcountry Trail am Geißkopf langweilen das Jeffsy.

Wie viel Abfahrt verträgt das YT Jeffsy?

Für den „Everybody’s Darling“ Check waren wir mit dem YT Jeffsy Core 4 nicht nur auf gemäßigten Homtrails unterwegs. Wir wollten unbedingt auch wissen, ob die MK3 Version des Jeffsys auch mit den rauen Trails des Bikeparks am Geißkopf zurechtkommt. Schafft das YT diesen Spagat, den man von ihm erwartet? Schon auf dem Weg zum Traileinstieg fällt auf: Mit 15,5 Kilo (ohne Pedale, Tubeless in Größe L) fällt der Antritt etwas weniger spritzig aus, als erhofft. Man kommt damit zwar jeden Berg hoch, aber am Traileingang tröpfelt etwas Schweiß aus dem Helm. Daran ändert auch der Antriebsneutrale Hinterbau nichts. Die Maxxis Reifen mit Exo+ Pannenschutz und die dicke Lyrik Gabel drücken auf das Gewicht. Bikes wie das Canyon Neuron, das Cube Stero One44 oder Orbeas Occam SL kommen nicht nur mit 10 Millimeter weniger Federweg, sondern zusätzlich auch mit einer deutlich tourenorientierteren Ausstattung daher. Das spart Gewicht und steigert die Kletterlust. Im Bikepark wären diese Bikes aber definitiv fehl am Platz. Und genau hier spielt das Jeffsy seinen Joker aus.

YT Jeffsy bergab.
Selbst wenn es rau zur Sache geht, weiß das Jeffsy zu überzeugen.
YT Jeffsy bergauf
Es geht bergauf, man kommt mit 15,5 Kilo unterm Hintern aber ins Schnaufen.

Trails wie der Mallet-Trail am Bikepark Geißkopf sind anspruchsvoll. Felsblöcke, Seilstufen, dicke Sprünge fordern Mensch und Material, sobald wir das Tor zum Traileingang durchquert haben. Während auf dem Flowcountry Trail noch alles im Wellnessbereich ist, geht es jetzt zur Sache. Im oberen, flachen Abschnitt bleibt das Tempo noch niedrig und die Anforderungen für das Jeffsy noch im Rahmen. Aber mit dem steileren Trailverlauf beginnt die Herausforderung. Schnelle Passagen und Steinfelder schluckt das Rock Shox Fahrwerk souverän weg. Erst wenn die G-Kräfte in schnellen Kompressionen oder nach technischen Landungen nach oben schnellen, wird spürbar, dass im Heck nur 145 Millimeter zur Verfügung stehen. Die Situationen, die den vollen Federweg am Heck fordern, sind selten und gehören in den allermeisten Fällen auch nicht in das Lastenheft eines All Mountain Bikes. Im Gegenzug versinkt das Jeffsy nicht im Federweg, wenn man an Geländekanten zur Flugphase ansetzt.

YT Jeffsy Action
Länge läuft. Je höher das Tempo, desto wohler fühlt sich das Jeffsy.

Wenn man das Jeffsy mutwillig ans Limit bringt, brilliert in letzter Instanz der Maxxis Reifen mit EXO+ Pannenschutz. Trotz etlicher Abfahrten im Bikepark und dem Willen, das Jeffsy im Grenzbereich zu bewegen, konnten wir während unseres Tests keinen Platten provozieren. Die laufruhige Geometrie verleitet dazu, den Gashahn aufzudrehen, fordert in engen Kehren aber auch Nachdruck beim Richtungswechsel. Die großen 200er Bremsscheiben an Front und Heck machen Srams Code Bremsen zum artgerechten Stopper für das neue Jeffsy. Das Jeffsy in der MK3 Version kann Bikepark und Tour, wenn man die Power dafür in den Waden hat.

Vorteile des neuen YT Jeffsy

  • Gutes Fahrwerk
  • Reifen mit gutem Pannenschutz
  • Laufruhige Geometrie lässt Mach3 Tempo zu
  • Guter Abfahrer

Schwächen des neuen YT Jeffsys in der MK3-Version

  • Mit 15,5 Kilo relativ schwer (Core 4 Modell)
  • Pressfit Tretlager sind nervig zu warten
  • Unter dem Dämpfer hat nur eine kleine Flasche Platz
YT Jeffsy Hometrails
Auch auf moderaten Hometrails macht das Bike Spaß.

Alle YT Jeffsy-Modelle auf einen Blick

Wie gewohnt liefern wir nicht nur tiefgründige Einblicke in die Details. Im Gegensatz zu allen anderen Medien erlaubt es unser innovatives und absolut objektives Testsystem, euch Informationen zur kompletten Modellfamilie zu liefern. Der preisliche Einstieg bei den Jeffsy Modellen von YT liegt bei 2499 €. Das Core 2 für 2999 € hat das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer noch weniger Geld zur Verfügung hat, für den haben wir das Rockrider AM 100 S von Decathlon für unter 2000 € getestet. Um die 1500 € läuft es zwangsläufig auf Trailhardtail wie zum Beispiel dem Rose Bonero hinaus.

Fazit zum neuen YT Jeffsy MK3

Wir haben das neue Jeffsy über Hometrails und ernsthafte Bikepark-Trails bergab gejagt. Den Weg zum Traileinstieg haben wir dabei immer aus eigener Kraft bestritten. Das Jeffsy klettert überall hoch, ist im Anstieg mit 15,5 Kilo aber keine Rakete. So ehrlich muss man sein. Bergab liefert es dagegen voll ab. Geometrie, Hinterbau und Ausstattung verschmelzen in dem Fall zu einem echten Bügelbrett. Das laufruhige Handling hat uns mit zunehmendem Tempo umso besser gefallen. Trotz knapp bemessenen 150 Millimeter Federweg nimmt es das Jeffsy mit so manchem Enduro auf. Es gibt leichtere und auch innovativere Bikes auf dem Markt, aber das Jeffsy bleibt Everybodys Darling zum attraktiven Preis.

Über den Autor

Ludwig

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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