Fully unter 2000 €
Rockrider AM 100 S im Test

Viele Biker sind auf der Suche nach einem guten Fully unter 2000 €. Aber machen preiswerte Fullys überhaupt Spaß, oder holt man sich damit nur Ärger ins Haus? Wir haben das Rockrider AM 100 S, den König dieser Preisklasse, einem ausgiebigen Praxistest unterzogen.

Rockrider AM 100 s - ein günstiges Fully MTB unter 2000 €

Die üppige Auswahl an Bikes reicht bis in die kleinsten Nischen. Bestes Beispiel: Wer für ein Mountainbike über 10.000 € ausgeben will, der kann sich sein Objekt der Begierde aus über 150 Modellen aussuchen. Ganz anders sieht die Lage am anderen Ende der Preisliste aus.

Wer ein vollgefedertes Mountainbike unter 2000 € sucht, der steht vor einer deutlich kleineren Auswahl. Gerade mal 32 Fullys hält der Markt in diesem Preisbereich bereit. In diesem Artikel erklären wir die detaillierten Gründe, warum es so wenige günstige Fullys gibt. So viel vorab: Es ist für viele Hersteller schlichtweg unmöglich, gute Fullys zum Kampfpreis unter 2000 € auf die Laufräder zu stellen.

Der französische Sportartikel Discounter Decathlon ist für seine knallhart kalkulierten Preise bekannt. Es ist also kein Wunder, dass uns seine Rockrider Fullys unter 2000 € bei unserer systematischen Mountainbike Marktanalyse besonders aufgefallen sind. Grund genug uns das Rockrider AM 100 s genauer anzusehen.

Youtube Video

Wofür wurde das Rockrider AM 100 s konstruiert

Mit seinen 150 Millimeter Federweg an der Gabel, den gut profilierten Reifen und der Teleskopstütze. Ist das Rockrider AM 100 sein klassisches All Mountain Bike wie es im Buche steht. (Was ein All Mountain ist und welche Mountainbike Arten es sonst noch gibt verraten wir dir in diesem Artikel.)

Das Bike wurde also entwickelt, um selbst auf groben Trails Fahrspaß zu vermitteln. Alpines Gelände oder der gelegentliche Ausflug in den Bikepark stehen definitiv im Lastenheft des französischen Bikes. Dabei hat das Rockrider-Fully aber auch den Anspruch, hohe Berge mit der reinen Muskelkraft des Menschen zu bezwingen.

Die Tourentauglichkeit ist die schärfste Abgrenzung der All Mountain Kategorie zu den noch abfahrtslastigeren Enduros. Übrigens haben wir hier auch einen Artikel, der sich nur mit der All Mountain Kategorie beschäftigt. Die Frage, die sich jetzt natürlich stellt, ist: Wird das Rockrider AM 100 s diesen Ansprüchen gerecht?

Man muss Kompromisse hinnehmen

So viel können wir schon zum Beginn dieses Abschnitts verraten. Man muss in dieser Preisklasse gewisse Kompromisse hinnehmen. Aber der Reihe nach. Wir sind mit dem Bike mehrere Tage auf verschiedensten Trails und langen Touren unterwegs gewesen. Und wir hatten immer eine gute Zeit damit. Aber mit einem Komplettgewicht von 15,8 Kilo verlangt das Bike einfach nach strammen Waden im Anstieg.

Auch wenn sich der Dämpfer im Heck per Lockouthebel ruhigstellen lässt, wird im Anstieg der Fahrer mehr gefordert. Teurere Bikes punkten hier mit einem niedrigeren Komplettgewicht. Die Sitzposition fällt dafür angenehm aufrecht aus und auch die Schaltung hält einen kleinen Klettergang bereit. Das Bike packt jeden Anstieg, wenn man bereit ist, einige Schweißperlen zu akzeptieren. Anders geht es in dieser Preisklasse eben nicht.

Rockrider AM 100 s im Test
Decathlon macht mit dem Rockrider AM 100 s genau das, was viele Hersteller erst gar nicht probieren. Die Franzosen stellen ein günstiges Fully für echten Trailspaß auf die Laufräder.
All Mountain MTB in Action
Und der Test zeigt eindeutig: Das Konzept geht auf. Auch wenn mit gewissen, preisbedingten Kompromissen leben muss, hinterlässt das Bike einen guten Eindruck.

So fährt das Rockrider AM 100 s auf dem Singletrail

Die entscheidende Frage für ein All Mountain lautet aber natürlich: Wie schlägt sich das Bike auf dem technischen Singletrail bergab? Wer sich ein Bike mit 150 Millimeter Federweg kauft, will damit ja vor allem bergab Spaß haben. Schon auf den ersten Metern im Gelände wird unmissverständlich klar, dass das Rockrider seinen Charakter nicht verbergen will.

Denn anders als bei den meisten aktuellen Bikes, fällt das Handling nicht absolut laufruhig aus. Vor allem weniger versierten Fahrern gelingt mit dem ausgewogenem Handling der Richtungswechsel auf den Trails intuitiv. Die grobstolligen Reifen erledigen ihren Job und sorgen auch auf losem Untergrund für genügend Grip.

Die Gabel arbeitet feinfühlig. Ganz ohne Kritik kommt das Bike aber auch in der Abfahrt nicht aus. Die Bremsen könnten deutlich stärker verzögern. Größere Bremsscheiben oder ein Sattel mit 4 Kolben im Heck könnten hier aber günstig Abhilfe schaffen. Außerdem gibt der Hinterbau (Dämpfer) den Federweg etwas schnell frei. Vor allem sportliche Fahrer würden sich hier etwas mehr Gegendruck wünschen. Man muss aber auch ehrlich bleiben. Dieser Punkt ist Kritik auf hohem Niveau.

Details & Standards des Rockrider AM 100 s

Löblich: Trotz Kampfpreis gelingt es den Designern von Rockrider dem AM 100 s eine eigenständige Optik einzuhauchen. Vor allem an der Dämpferaufnahme, aber auch an der Frontpartie sieht man das eindeutig an. Die Züge sind durchgehend außen am Unterrohr verlegt.

Optisch ist das kein Highlight, aber dafür ist es im Falle eines Service durchaus praktisch. Details wie die Zugklemmen oder die Lagerschrauben hinterlassen einen wertigen Eindruck. Außerdem hat der Rahmen ein Pressfit-Tretlager und bietet Montagemöglichkeiten für einen Flaschenhalter. Der Hersteller gibt das Rahmengewicht mit 2,7 Kilo an, was gemessen am Preis akzeptabel ist.

  • Tretlager: Pressfit (geschraubt)
  • Leitungsführung: durchgehend Außen
  • Sattelstütze: 31,6 mm
  • Steuersatz: integriert, tapered 1,125 auf 1,5 Zoll
  • Laufradgröße: 29 Zoll
  • Laufradachsen: Boost; 110×15 mm (vorne); 148×12 mm (hinten)
  • Flaschenhalterpositionen: 1
  • Hinterbau: abgestützter Eingelenker
  • Federweg: 140 Millimeter
Das Rockrider Bike
Vor allem bei der Dämpferaufnahme und der Frontpartie des Bikes kommen die eigenständigen Designzüge zum Vorschein
Zugverlegung beim Rockrider Bike
Die Leitung für die Schaltung, Sattelstütze und Bremse sind durchgehend außen verlegt. Das erleichtert den Service.

Die schärfsten Konkurrenten bei den Fullys unter 2000 €

Einer der schärfsten Mitbewerber ist mit Sicherheit das Radon Skeen AL 8.0. Außerdem sollte man in dieser Preisklasse immer auch den Blick auf die Trail-Hardtails werfen. Denn unser ausgiebiger Test des Rose Boneros hat gezeigt: Wer auf einen Dämpfer im Heck verzichtet, der muss bei der Ausstattung deutlich weniger Kompromisse eingehen. Hier könnt ihr die drei Bikes direkt miteinander vergleichen.

Der Direktvergleich: Radon Radon Skeen AL 8.0 VS Rockrioder AM 100 s VS Rose Bonero

Das Rockrider AM 50 s – der kleine Bruder des AM 100 s

Neben dem AM 100 s gibt es minimal günstiger auch das AM 50 s. Das Bike kommt nicht nur günstiger, sondern auch „schmächtiger“ daher. Die Reifen fallen schmäler aus und auch an der Gabel hat das Bike 10 Millimeter Federweg weniger. In der Abfahrt versprüht es deutlich weniger Selbstvertrauen als das AM 100 s. Beide Bikes könnt ihr euch hier ansehen.
Die Rockrider AM Fullys im Überblick

Bold Unplugged All Mountain
Was passiert eigentlich wenn man mehr als Doppelt so viel Geld für ein Mountainbike ausgibt? Beim Bold Unplugged Volume 2 kostet nur der Carbon Rahmen mehr als bei Decathlon bzw. Rockrider das komplette Bike. Dafür gibt es technische Spielereien. Der Dämpfer des Fullys versteckt sich, ebenso wie die Züge im Inneren des Rahmens. Lenker, Felgen, Bremshebel, Kurbel sind aus Carbon. Die 1×12 Schaltung hat eine höhere Bandbreite. Das alles treibt das Gewicht nach unten und erhöht den Preis auf deutlich über 4000 €.
Rose Bonero 3 - RIDE BETTER BIKES Editors ChoiceHier gehts zum vollen Artikel zum Bike.">
Auch eine spannende Alternative: Das Rose Bonero 3 Trailhardtail hat sich mit einer erstklassigen Preis/Leistung einer gelungenen Geometrie und geschickten Details sogar unsere "Editors Choice" Auszeichnung verdient. Hier gehts zum vollen Artikel zum Bike.

Fazit zum Rockrider AM 100 s

Rockrider will mit einem Fully für unter 2000 € das umsetzen, was die meisten Hersteller nicht einmal versuchen. Fahrspaß auf knackigen Trails gibt es in der Regel nämlich erst, wenn man bereit ist etwas tiefer in die Taschen zu greifen. Wenn man das Preisschild des Bikes betrachtet, kann man durchaus von einem gelungenen Wurf der Franzosen sprechen. Während des Tests wird aber auch deutlich:

Bei Fullys in dieser Preisklasse kommt man nicht ohne Kompromisse aus. Das hohe Gewicht und die etwas zaghaften Bremsen sind Kritikpunkte, die man im Laufe einer Beziehung zwischen Mensch und Rad auch mit etwas Tuning ausbessern kann. Unsere leichte Kritik am Hinterbau werden vor allem weniger versierte Fahrer womöglich anders einordnen. Wer bei seinen MTB-Touren vor allem viel Wert auf die Abfahrt legt, ein Fully will und nicht mehr als 2000 € ausgeben will, der macht mit dem Rockrider einen sehr guten Kauf.

Über den Autor

Ludwig

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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