Test: Bulls Wild Edge Team
Das Bulls Wild Edge Team positioniert sich als ernstzunehmender, aber unkonventioneller Konkurrent im Segment der Race-Fullys. Dabei will es nicht Everybodys Darling sein, sondern ein Bike, das vor allem mit Vortrieb überzeugt.
Geometrie und Sitzposition
Racing is Life. Die Philosophie kann das Bulls Wild Edge nicht verbergen. Denn schon beim ersten Aufsitzen wird klar: Hier geht es sportlich zur Sache. Der relativ flache Sitzwinkel und der 80 mm lange Vorbau sorgen für eine sportliche Sitzposition. Auf den Handgelenken ist mit der Lenker-Vorbau-Kombi, die keinen Rise hat, viel Last. Wer einen gemütlichen Chopper für die Eisdiele sucht, ist hier fehl am Platz.
In steilen Anstiegen rutscht man automatisch auf dem Sattel etwas nach vorne, um mehr Druck am Pedal, aber auch dem Vorderreifen, aufzubauen. Auf der Geraden ist das Wild Edge dafür nicht aufzuhalten. Mit der leicht gestreckten Sitzposition geht hier der Punk ab, auch wenn sich der Puls noch im Grundlagenbereich bewegt.
Mit einem 68 Grad Lenkwinkel ist man bei Bulls etwas konservativ unterwegs. Auch das hohe Oberrohr und die lediglich 2,25 Zoll breiten Reifen zeichnen ein klares Bild vom Bike in unserem Praxistest. Das Bike strotzt bergab nicht vor Sicherheit, sondern will mit Know-how geführt werden.
Ausstattung und Komponenten: Volle Hütte
Das Bulls Wild Edge Team sticht durch eine kompromisslose Top-Ausstattung hervor, was es zu einem preisattraktiven Rad mit dieser Highend-Bestückung macht. 7000 € sind kein Schnäppchen, aber Bikes mit vergleichbarer Ausstattung sprengen gerne mal die 10.000 €-Grenze.
Dabei setzt Bulls in der Team-Version auf das Beste vom Besten: Das RockShox Ultimate Fahrwerk hat hinten wie vorne 120 mm Federweg. Aus sportlicher Sicht das Interessanteste daran: Man kann es vom Lenker aus mit einem Drehhebel hinten wie vorne gleichzeitig blockieren oder in einen straffen Pedal-Modus versetzen.
Die SRAM XX Transmission Schaltung ist jedem Zweifel erhaben. Die Shimano XTR Bremsen sind (vor allem mit dem Flat-Mount-Bremssattel am Hinterrad) keine absoluten Kraftpakete, passen aber zum Einsatzbereich.
Die Schwalbe-Reifen fallen mit 2,25 Zoll für heutige Verhältnisse schmal aus. Am Orbea Oiz, aber auch am Cannondale Scalpel und am Mondraker F-Podium, sind jeweils ab Werk breite 2,4er Reifen montiert. Das erhöht Komfort und Grip und verbreitert damit den Einsatzbereich eines solchen Bikes enorm. In der Preisklasse muss hier mehr drin sein.
Fahreindruck und Performance: Vortrieb über alles
In der Praxis präsentiert sich das Wild Edge Team als sportliches Racebike. Besonders die Klettereigenschaften kann man loben: Die Hinterbau-Kinematik ist sehr effizient, arbeitet wippfrei und vermittelt ein straffes, sportliches Gefühl. Die Option, das Fahrwerk vom Lenker aus zu blockieren, ist geil.
Die Sitzposition ist passend dazu sportlich gestreckt, was in Kombination mit dem steifen Hinterbau für eine sehr gute Kraftübertragung sorgt.
Harte Trails sind dafür eher die Achillesferse des Bikes. Das Fahrwerk ist aktiv und bietet gute Traktion. Das Handling ist mit dem tiefen Lenker und dem relativ steilen Lenkwinkel aber nicht super intuitiv. Zudem kommt, dass die relativ schmalen Reifen wenig Fehler verzeihen und etwas mehr Luftdruck brauchen als breitere 2,4er Schlappen. Wer damit umgehen kann, ist auf Trails verdammt schnell unterwegs. Wer nach einem Bike sucht, das bei niedrigem Gewicht nach Sicherheit und Fahrspaß bergab strotzt, ist z. B. mit dem Orbea Oiz oder auch dem Bulls Wild Ronin mit mehr Federweg besser bedient.
Pro
- brutal schnell auf der Geraden
- Trotz Top-Ausstattung noch bezahlbar
- Fahrwerk vom Lenker aus blockierbar
- Platz für zwei Flaschenhalter
Contra
- bergab nicht super souverän
- Züge klappern bergab leise im Rahmen
- sehr spitzes, vortriebsorientiertes Konzept
Gesamtfazit zum Bulls Wild Edge Team
Das Bulls Wild Edge Team ist ein Sportler. Wer maximalen Vortrieb sucht, bekommt den bei Bulls zum guten Preis. Aber das Bike ist keine bedingungslose Singletrail-Spaßmaschine. Konsequent auf den Rennsport zugeschnittene Details wie die schmalen Reifen oder die Lenker-Vorbau-Kombi und der flache Sitzwinkel machen aus dem Wild Edge ein messerscharfes Gerät, das nach einer klaren Führung verlangt.





