Konsequent schnell

Test: Bulls Wild Edge Team

Das Bulls Wild Edge Team positioniert sich als ernstzunehmender, aber unkonventioneller Konkurrent im Segment der Race-Fullys. Dabei will es nicht Everybodys Darling sein, sondern ein Bike, das vor allem mit Vortrieb überzeugt.

Bulls Wild Edge Test
Wir haben das Bulls Wild Edge in heimischen Gefilden, aber auch auf den legendären Trails rund um Capoliveri (Elba) getestet.

Fallen wir mit der Tür ins Haus: Während die Top-Ausstattung des Bulls Wild Edge Teams keine Wünsche offen lässt, kämpft das Bike mit einem vergleichsweise hohen Rahmengewicht. Über 2200 Gramm bringt der Rahmen ohne Dämpfer, aber mit Gummischonern und Steckachse auf die Waage.

Das ist viel, zumindest für ein Racefully der Extraklasse. Vergleichbare Bikes wie das Cervelo Z-FS-5 oder das Canyon Lux World Cup bleiben hier unter 2000 Gramm. Mondraker und Cannondale bleiben mit dem Scalpel und dem F-Podium immerhin knapp unter dem Gewicht des Wild Edge.

Umso erstaunlicher, dass das Bike komplett trotzdem knapp unter 11 Kilo wiegt. Auf dieser Ebene ist es voll konkurrenzfähig zu den anderen 120 mm Racefullys.

Mondraker F-Podium
Das Bulls Wild Edge hat viel Konkurrenz. Ebenfalls spannend und schnell in dieser Federwegsklasse: das Mondraker F-Podium.
Orbea Oiz
Auch das Orbea Oiz ist ein Bike mit 120 mm Federweg, das den Spagat zwischen Racebike und Trailspaß versucht.
BH Lynx Race
Das BH Lynx Race ist eine Racebike-Alternative, die deutlich mehr auf Vortrieb aus ist als viele Konkurrenten.
Specialized Epic 8
Der King unter den Race-Bikes: Das Specialized Epic 8. Kein Bike bringt derzeit Leichtbau und Vortrieb so gut unter einen Hut wie das Specialized Epic. Allerdings hat die S-Works-Version auch ihren Preis mit deutlich über 10.000 € UVP.

Geometrie und Sitzposition

Racing is Life. Die Philosophie kann das Bulls Wild Edge nicht verbergen. Denn schon beim ersten Aufsitzen wird klar: Hier geht es sportlich zur Sache. Der relativ flache Sitzwinkel und der 80 mm lange Vorbau sorgen für eine sportliche Sitzposition. Auf den Handgelenken ist mit der Lenker-Vorbau-Kombi, die keinen Rise hat, viel Last. Wer einen gemütlichen Chopper für die Eisdiele sucht, ist hier fehl am Platz.

In steilen Anstiegen rutscht man automatisch auf dem Sattel etwas nach vorne, um mehr Druck am Pedal, aber auch dem Vorderreifen, aufzubauen. Auf der Geraden ist das Wild Edge dafür nicht aufzuhalten. Mit der leicht gestreckten Sitzposition geht hier der Punk ab, auch wenn sich der Puls noch im Grundlagenbereich bewegt.

Mit einem 68 Grad Lenkwinkel ist man bei Bulls etwas konservativ unterwegs. Auch das hohe Oberrohr und die lediglich 2,25 Zoll breiten Reifen zeichnen ein klares Bild vom Bike in unserem Praxistest. Das Bike strotzt bergab nicht vor Sicherheit, sondern will mit Know-how geführt werden.

Bulls Wild Edge Erfahrungen
Vortrieb pur! Vor allem auf der Geraden ist das BULLS Wild Edge in seinem Element.

Ausstattung und Komponenten: Volle Hütte

Das Bulls Wild Edge Team sticht durch eine kompromisslose Top-Ausstattung hervor, was es zu einem preisattraktiven Rad mit dieser Highend-Bestückung macht. 7000 € sind kein Schnäppchen, aber Bikes mit vergleichbarer Ausstattung sprengen gerne mal die 10.000 €-Grenze.

Dabei setzt Bulls in der Team-Version auf das Beste vom Besten: Das RockShox Ultimate Fahrwerk hat hinten wie vorne 120 mm Federweg. Aus sportlicher Sicht das Interessanteste daran: Man kann es vom Lenker aus mit einem Drehhebel hinten wie vorne gleichzeitig blockieren oder in einen straffen Pedal-Modus versetzen.

Die SRAM XX Transmission Schaltung ist jedem Zweifel erhaben. Die Shimano XTR Bremsen sind (vor allem mit dem Flat-Mount-Bremssattel am Hinterrad) keine absoluten Kraftpakete, passen aber zum Einsatzbereich.

Die Schwalbe-Reifen fallen mit 2,25 Zoll für heutige Verhältnisse schmal aus. Am Orbea Oiz, aber auch am Cannondale Scalpel und am Mondraker F-Podium, sind jeweils ab Werk breite 2,4er Reifen montiert. Das erhöht Komfort und Grip und verbreitert damit den Einsatzbereich eines solchen Bikes enorm. In der Preisklasse muss hier mehr drin sein.

Bulls Wild Edge Erfahrungen
Shimano XTR-Bremsen
Am Vorderrad ist die Shimano XTR-Bremse mit einer Post-Mount-Bremszange verbaut.
Shimano XTR Postmount-Bremsen
Am Hinterrad hat der Rahmen zwar eine Post-Mount-Aufnahme, Bulls verbaut aber einen Flatmount-Bremssattel mit Adapter.
Sram XX SL Eagle
Srams XX SL Transmission ist derzeit die beste und leichteste Schaltung auf dem Markt.
versenkbare Sattelstütze
Die Teleskopsattelstütze darf heute an keinem Mountainbike mehr fehlen. Bulls verbaut hier eine Eigenmarke.
Lockout-Drehgriff
Über den Drehgriff kann man das komplette Fahrwerk vom Lenker aus blockieren.
mechanisches Lockout SID
Sowohl die Gabel als auch der Dämpfer werden mit Bowdenzügen angesteuert.
Bulls Wild Edge Hinterbauhebel
Die Hebelkonstruktion des Hinterbaus versteckt sich im bauchigen Tretlagerbereich und zieht den Schwerpunkt des Bikes nach unten.
Rumble Carbon Lenker-Vorbau-Kombination
Die Züge für die Hinterradbremse, die Sattelstütze und das Dämpferlockout verlaufen durch den Steuersatz.
Rumble Bulls Lenkre
Das Rumble Cockpit hat keinen Rise und unterstützt damit die sportliche Sitzposition des Bikes.

Fahreindruck und Performance: Vortrieb über alles

In der Praxis präsentiert sich das Wild Edge Team als sportliches Racebike. Besonders die Klettereigenschaften kann man loben: Die Hinterbau-Kinematik ist sehr effizient, arbeitet wippfrei und vermittelt ein straffes, sportliches Gefühl. Die Option, das Fahrwerk vom Lenker aus zu blockieren, ist geil.

Die Sitzposition ist passend dazu sportlich gestreckt, was in Kombination mit dem steifen Hinterbau für eine sehr gute Kraftübertragung sorgt.

Harte Trails sind dafür eher die Achillesferse des Bikes. Das Fahrwerk ist aktiv und bietet gute Traktion. Das Handling ist mit dem tiefen Lenker und dem relativ steilen Lenkwinkel aber nicht super intuitiv. Zudem kommt, dass die relativ schmalen Reifen wenig Fehler verzeihen und etwas mehr Luftdruck brauchen als breitere 2,4er Schlappen. Wer damit umgehen kann, ist auf Trails verdammt schnell unterwegs. Wer nach einem Bike sucht, das bei niedrigem Gewicht nach Sicherheit und Fahrspaß bergab strotzt, ist z. B. mit dem Orbea Oiz oder auch dem Bulls Wild Ronin mit mehr Federweg besser bedient.

Bulls Wild Edge Test
Das Bulls macht Spaß, kommt aber im rauen Gelände auch an seine Grenzen.
Orbea Oiz Test
Das Orbea Oiz geht hier mit breiten Reifen einen deutlichen Schritt weiter in Sachen Fahrspaß auf dem Trail.
Specialized Epic 8 Test
Auch Specialized verbaut breitere Reifen, eine stärkere 4-Kolben-Bremsanlage und eine abfahrtslastigere Geometrie.

Pro

  • brutal schnell auf der Geraden
  • Trotz Top-Ausstattung noch bezahlbar
  • Fahrwerk vom Lenker aus blockierbar
  • Platz für zwei Flaschenhalter

Contra

  • bergab nicht super souverän
  • Züge klappern bergab leise im Rahmen
  • sehr spitzes, vortriebsorientiertes Konzept
BULLS Wild Edge Team Testfazit
Eleganz pur. Das Bulls Wild Edge kann optisch und mit seinen sportlichen Genen vor allem Racer überzeugen.

Gesamtfazit zum Bulls Wild Edge Team

Das Bulls Wild Edge Team ist ein Sportler. Wer maximalen Vortrieb sucht, bekommt den bei Bulls zum guten Preis. Aber das Bike ist keine bedingungslose Singletrail-Spaßmaschine. Konsequent auf den Rennsport zugeschnittene Details wie die schmalen Reifen oder die Lenker-Vorbau-Kombi und der flache Sitzwinkel machen aus dem Wild Edge ein messerscharfes Gerät, das nach einer klaren Führung verlangt.

Über den Autor

Ludwig Döhl

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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