Taugt Made in Germany noch was?
Crossworx Lite 290 im Test

Crossworx hat nicht nur seinen Firmensitz in Deutschland, sondern auch seine Fertigung. Diese kommt inklusive Schweißbrenner, Lackierung und dem dafür nötigen Personal. Wir checken mit dem Crossworx Lite 290, ob man in Deutschland noch konkurrenzfähige Mountainbikes bauen kann.

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Asien, insbesondere China, war jahrzehntelang die verlängerte Werkbank der deutschen Wirtschaft. Die Bike-Branche macht hier keine Ausnahme. Weit über 90 % aller Mountainbike-Rahmen werden in Asien gefertigt. Niedrigere Löhne und etablierte Fertigungsstraßen in großen Produktionsstätten sind die Voraussetzungen für exzellente Qualität zu einem guten Preis. Hochwertige Alurahmen von Giant, Merida oder Cube bieten auf der qualitativen Ebene meist keine Angriffsfläche für Kritik. Doch weil neuerdings selbst in der Tagesschau von der Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Asien gewarnt wird, hat es uns interessiert, was das Crossworx Lite 290 kann, dessen Rahmen in Deutschland geschweißt wird.

Crossworx Lite 290 Made in Germany
Ist das Crossworx Lite 290 als "Made in Germany"-Bike konkurrenzfähig zu Bikes aus Asien?

Made in Germany Mountainbikes – was soll das bringen und wer macht es?

Crossworx ist natürlich nicht die einzige Firma der Bike-Branche, die ihre Rahmen in Deutschland fertigt. Allen voran ist natürlich die Marke Nicolai zu erwähnen, die hier seit Jahrzehnten die Flagge hochhält. Auch kleine Nischenhersteller wie Last, Stoll oder Manufakturen wie Bow fertigen Bikes in kleiner Stückzahl in Deutschland. Bei den Anbauteilen fertigt Magura sogar große Volumen seiner Bremsanlagen in Werken auf der Schwäbischen Alb. Im Das Magura Interview post seine Motivation, dies zu tun.

Produktionsschritte nach Asien zu outsourcen ist der leichtere Schritt. Möglichst viel Wertschöpfung am Firmensitz zu behalten, das war für uns langfristig aber die bessere Entscheidung.

Fabian Auch – Magura

Und zu guter Letzt wird es für immer mehr Kunden ein wichtigerer Faktor in der Kaufentscheidung, wo und unter welchen Umständen ihr Bike produziert wurde.

Crossworx Cycles Made in Germany
Das Crossworx Dash 290 hat eine aufwendige Konstruktion. Die großen Frästeile und die Rohre werden in Thüringen zum Rahmen verschweißt.

Vier Stunden Handarbeit für einen Rahmen

Es dauert ca. vier Stunden, bis die in Deutschland gefertigten Frästeile, wie der Bereich um den Dämpfer, mit den restlichen Alurohren zum Rahmen verschweißt werden. Die Montage des Hinterbaus oder die Lackierung nehmen weitere Zeit in Anspruch. Ein kleines Team aus 4 Mitarbeitern in Rudolstadt übernimmt in Thüringen alle Arbeitsschritte selbst. Weil Entwicklung, Einkauf, Fertigung, Montage, Marketing und Vertrieb vor Ort erledigt werden, ist das Team auch hochflexibel. Die Lackierung oder Ausstattung kann nach Kundenwunsch gestaltet werden. Anders als bei Carbon-Bikes, die in einer festen Form geliefert werden, kann die Geometrie des Hauptrahmens gegen Aufpreis nach den Wünschen des Kunden angepasst werden Ein Vorteil, den die Fertigung vor Ort mit sich bringt.

Crossworx Lite 290
Was macht dieses Bike besonders?

Quick Facts zum Crossworx Lite 290

  • Modell: Crossworx Lite 290 (Werksausstattung)
  • Preis: 5499 €
  • Federweg: 140 mm vorne, 130 mm hinten
  • Gewicht: 14,5 kg (ohne Pedale, Größe L)
  • Hinterbau: Eingelenker
  • Besonderheit: Made in Germany, viele Custom-Optionen
Crossworx Cycles Schweißnähte
Die Schweißnähte sind absolut sauber und gleichmäßig gezogen.
Bremsaufnahme Crossworx Lite 290
Pfiffig: Die Gewinde für die hintere Bremsaufnahme sitzen in einem Alu-Insert, das bei Defekt einfach getauscht werden kann.

Verarbeitungsqualität von Crossworx

Wenn viele Arbeitsschritte in einzelnen Prozessen erledigt werden, öffnet sich die Tür für qualitative Abweichungen. Optisch sind die Alu-Rohre aber absolut sauber verarbeitet. Die Schweißnähte liegen gleichmäßig über den Knotenpunkten. Das Logo im Steuerrohr ist sogar eingefräst. Unser Testbike hatte schon einige Kilometer auf dem Buckel, bevor es zu uns kam, und dennoch war der Lack in einem sehr guten Zustand. Nur unten an der zweiten Flaschenhalterposition haben wir minimalen Lufteinschluss vom Lackieren gefunden. Das ist nicht schlimm und bei der Einzelstückfertigung sicher auch eher ein Einzelfall. Alles in allem hinterlässt das Bike einen sehr hochwertigen Eindruck bei der Verarbeitung. Hier muss sich die deutsche Einzelfertigung nichts nachsagen lassen.

Crossworx Hinterbau
Der Eingelenker-Hinterbau von Crossworx ist ausgeklügelter, als es der Name "Eingelenker" vermuten lässt.
Umlenkhebel Crossworx-Hinterbau
Der Dämpfer wird nicht direkt angesteuert, sondern über den Umlenkhebel, der sich unter dem Dämpfer versteckt.

Der Hinterbau des Crossworx Lite 290

Crossworx setzt bei all seinen Bikes auf einen Eingelenker-Hinterbau. Über den Umlenkhebel, der den Dämpfer ansteuert, kann Crossworx das Übersetzungsverhältnis und damit den Hinterbaucharakter deutlich besser steuern als mit einer direkten Anlenkung, wie das etwa die Eingelenker von Orange haben. Dass auch Bikes wie das Specialized Stumpjumper Carbon auf einen Eingelenker setzen, zeigt, dass im System mehr Potenzial steckt, als es der einfache Name vermuten lässt. Das bestätigt auch der Praxistest.

Crossworx Lite 290 im Test
Wir haben das Crossworx Dash 290 lange getestet und auf verschiedensten Trails gefahren.

So fährt das Crossworx Dash 290 auf dem Trail

Denn der Hinterbau hat im Vergleich zu einem oftmals als hochwertiger bezeichneten 4-Gelenker keine spürbaren Nachteile. Den Hebel zum Blockieren des Dämpfers haben wir nicht genutzt, weil das Heck auch beim Treten nicht wirklich wippt. Dass der Hinterbau 10 Millimeter weniger Federweg hat, als die Gabel, ist uns nicht störend aufgefallen. Das Heck harmoniert mit der 34er-Gabel wirklich sehr gut. Wenn es steil bergauf geht, spielt einem der sehr steile 78 Grad Sitzwinkel in die Karten. Selbst in steilsten Anstiegen muss man so nicht komplett auf die Sattelspitze rücken, um genügend Druck am Hinterrad aufzubauen. Auf der Geraden oder in leichten Anstiegen hätte der Sitzwinkel für unseren Geschmack auch etwas flacher ausfallen können, damit man eine etwas effizientere Haltung zum Pedalieren einnimmt. Gerade bei einem Bike mit 140 Millimetern Federweg will man ja auch mal Strecke machen und nicht nur shredden.

Crossworx Lite 290 Uphill
Der Hinterbau funktioniert antriebsneutral, aber das Gewicht von 14,5 Kilo hemmt den Antritt bergauf etwas.
Sitzposition Crossworx Lite 290
Die Sitzposition auf dem Crossworx Lite 290 fällt dank sehr steilem Sitzwinkel kompakt aus.

Unser Testbike bringt 14,5 Kilo ohne Pedale auf die Waage. Zugegeben, wir haben schon Das Canyon Neuron 2023 post gefahren. Aber der Blick auf das Marktumfeld verrät, dass das Gewicht für ein Alubike im gelben Bereich liegt. Zum Vergleich: Das Canyon Neuron AL 7 kostet 2799 Euro und brachte 13,9 Kilo ohne Pedale auf die Waage. Das Raaw Jibb hatte 10 Millimeter mehr Federweg an der Gabel und einen Preis von über 8000 €. Und auch dieses Bike wog 14,7 Kilo. Die aufwendige Rahmenkonstruktion schlägt hier einfach mit ein paar Gramm zu Buche.

Crossworx Dash 290 Bergab-Erfahrung
Bergab lässt das Crossworx Lite 290 nichts anbrennen. Da kommt Freude auf.

Bergab kommt Freude auf. Die laufruhige Geometrie und das sensible Fahrwerk vermitteln auch bei hohem Tempo ein sicheres Fahrgefühl. Das tiefe Tretlager und der tief gezogene Schwerpunkt lassen das Bike trotz langem Reach und Radstand souverän durch die Kurve fräsen. Bei losem oder nassem Untergrund verlieren die Forekaster-Reifen von Maxxis früher den Grip als Schlappen mit mehr Profil. Doch zum Einsatzbereich des Bikes passen die Reifen sehr gut. Das Raaw Jibb im Test post, war hier sicher noch deutlich mehr Richtung Abfahrt getrimmt. Die Magura Bremsen verzögern anstandslos, wie man das von ihnen gewohnt ist.

Raaw Jibb im Test
Ebenfalls aus Alu und mit ähnlich viel Federweg. Check den Testbericht vom Raaw Jibb in unserem Magazin oder auf unserem YouTube-Kanal.

Mehr Trailbikes und All-Mountains aus Alu

Wie gewohnt liefern wir nicht nur tiefgründige Einblicke in die Details eines Bikes. Im Gegensatz zu allen anderen Medien erlaubt es unser innovatives und absolut objektives Testsystem, euch Informationen zum kompletten Marktumfeld zu liefern. Wer sich für ein spezielles Bike wie das Crossworx Dash 290 interessiert, hat eine Vorliebe für hochwertige Aluminium-Bikes. Hier haben wir dir mal eine spannende Kollektion zusammengestellt. In unserer großen Marktübersicht haben wir alle Bikes mit 130 bis 150 Millimeter Federweg und Alu-Rahmen für dich aufbereitet.

Fazit zum Crossworx Lite 290

Crossworx beweist, dass man bei einem Preis von 5499 € in Deutschland konkurrenzfähige Mountainbikes fertigen kann. Wir waren überrascht, wie gut das Bike ausgestattet ist. Von einer kleinen Manufaktur hätte man zu diesem Preis weniger erwartet. Das Gewicht des Lite 290 ist für den Federweg von 140 Millimetern etwas hoch, geht aber noch in Ordnung. Fahrwerk und Geometrie funktionieren im Singletrail bergab perfekt. Unser Fazit nach unserem Test: Das Bike aus Thüringen ist eine echte Bereicherung für den Markt. Wer ein handgefertigtes Bike aus Deutschland sucht und sein Bankkonto nicht komplett in den Dispo ziehen will, sollte ein Auge auf die Marke Crossworx werfen. Und Hut ab vor den Jungs, die eine Rahmenfertigung hier in Deutschland mit derartiger Qualität durchziehen.

Über den Autor

Ludwig

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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