Preisfrage
Was kostet ein Bike für Trailsüchtige?

Wir haben vier Mountainbikes zwischen 2500 und über 6000 € auf Herz und Nieren geprüft. Die große Frage dieses Tests: Wie viel Geld muss man ausgeben, wenn man ordentliche Mountainbike-Trails fahren will. Oder andersherum: Was darf ich für mein Budget erwarten?

Youtube Video

Warum sollte man Äpfel und Birnen nicht miteinander vergleichen? Wer Hunger hat und vor dem Obstkorb steht, hat schließlich die Wahl. Bevor die Zähne ins Fruchtfleisch tauchen, muss das Hirn abwägen: Geschmack, Preis, Größe, Optik… alle Faktoren laufen im Schnelldurchgang durchs menschliche Rechenzentrum. Der Vergleich, über den man sprichwörtlich lacht, ist also Realität.

Auch beim Mountainbike-Kauf zwingt einen die Realität zur Entscheidung zwischen Produkten, die man eigentlich nicht vergleichen kann. Denn je nachdem, wie groß das eigene Budget ist, hat man entweder die Wahl zwischen einem puristischen Hardtail oder einem voll ausgestatteten Enduro.

Und die Quintessenz aus diesem Test kann man aus zwei Richtungen betrachten. Entweder man weiß zum Schluss, wie lange man noch sparen muss, um ein Bike zu bekommen, das den eigenen Ansprüchen genügt, oder das Budget für das neue Mountainbike steht schon fest. Dann platzt mit diesem Artikel vielleicht eine kleine Traumblase in deinem Kopf, aber du weißt, auf was du dich in deiner präferierten Preisklasse einstellen musst.

Liteville 303 Test
Über 6000 € dafür unter 14 Kilo. Das neue Liteville 303 repräsentiert preislich gesehen das obere Ende der Fahnenstange in unserem Vergleich.
Canyon Spectral CF Test
Das Canyon Spectral CF hat, wie das Liteville 303, ebenfalls 160 mm Federweg an der Gabel, ist aber schon für 4999 € zu haben.
Radon Slide Trail AL Test
Das Radon Slide Trail AL kostet unter 3000 € und ist damit das günstigste Fully in unserem Vergleich. Kann es trotz Sparpreis und nur 150 mm Federweg an der Gabel die teure Konkurrenz vorführen?
Orbea Laufey Test
Weil Orbea eine Fachhandelsmarke ist, haben wir hier die Preisgrenze nicht ganz so radikal gezogen wie bei den Versendern Radon und Canyon. Und dennoch ist das neue Laufey Trail-Hardtail für unter 2500 € das günstigste Bike in unserem Vergleich.

Die Testbikes – von Einsteiger bis Premium

All unsere Testbikes sind darauf ausgelegt, Fahrspaß auf ernsthaften Trails zu versprühen. Aber zwischen ihnen liegt ein Preisunterschied von über 4000 €. Das brandneue Orbea Laufey Trailhardtail repräsentiert dabei mit einem Preis von 2500 € den Einstieg in die Welt der hochwertigen Mountainbikes. Das ebenfalls brandneue Liteville 303 kostet 6999 € und ist damit der Stellvertreter fürs Premiumsegment.

In der Mitte zwischen den Extremen buhlen das Radon Slide Trail AL als Fully zum attraktiven Preis von unter 3000 € und das Canyon Spectral für einen UVP von 5000 € um die Gunst der Bike-Käufer. Das Canyon stellt dabei bereits exklusive Innovationen wie das K.I.S. System oder SRAMs GX Eagle Schaltung ins Schaufenster und macht damit klar, dass es den Vergleich mit dem Premiumsegment nicht scheut.

Bike Federweg Preis
Orbea Laufey 140 mm (Hardtail) 2499 €
Radon Slide 150 mm / 140 mm 2899 €
Canyon Spectral 160 mm / 150 mm 4999 €
Liteville 303 160 mm / 160 mm 6999 €
Preisvergleich Mountainbike
Der Anspruch an unsere Testbikes: Egal welchen Preis sie haben, sie mussten sich alle auf den rauen Trails von Finale Ligure behaupten.
Finale Ligure MTB Test
Wer sich für ein Bike mit 140 mm Federweg entscheidet, der will damit Trails wie im MTB-Mekka Finale genießen können.
Roller Coaster Trail Finale
Trails wie der Roller Coaster verlangen dem Material einiges ab. Solide Bremsen, gute Reifen und eine gute Geometrie sind die Eintrittskarte, um diese Trails zu bezwingen.

Warum werden genau diese Testbikes miteinander verglichen?

Obwohl zwischen unseren Testbikes ein Preisunterschied von über 4000 € liegt, sind die Extreme im Markt damit noch lange nicht ausgeschöpft. Es gibt schließlich auch Bikes für über 10.000 €. Und uns ist natürlich klar, dass Orbea auch ein Laufey für unter 2000 € im Angebot hat. Dennoch haben wir die Auswahl der Testbikes bewusst gewählt.

Dieser Vergleich soll die Realität widerspiegeln. Und Hand aufs Herz: Würde es für dich jemals zur Debatte stehen, einen fünfstelligen Betrag für ein Mountainbike hinzublättern? Die wenigsten würden hier mit einem entschlossenem “Ja” antworten.

High-End-Enduros
Das Canyon Spectral CF und das Liteville 303 liefern sich ein Duell im High-End-Bereich. Bergab hat das günstigere Canyon sogar die Nase vorn, aber das Liteville will sich dennoch nicht geschlagen geben.
Günstige Enduro-Mountainbikes
Das Radon Slide Trail AL und das Orbea Laufey kosten beide unter 3000 €. Kann das Hardtail in dieser Preisklasse auf den Trails von Finale noch punkten?

Was ebenfalls berücksichtigt werden muss, ist, dass wir uns bei unseren Aussagen immer an den UVPs der Hersteller orientieren. Klar ist, dass aktuell im Markt ein starker Preiskampf stattfindet. So mancher UVP hat oder wird sich sicher auch noch zugunsten der Biker verändern. Das eine oder andere Modell wird derzeit schon mit deutlichem Rabatt verkauft. Aber das Discount-Niveau schwankt stark und bietet deshalb keine verlässliche Grundlage für unseren Test.

Auf der anderen Seite der Preisliste muss man sagen, dass es sicherlich Trailhardtails unter 2000 € gibt. Aber wir wollten dem Hardtail in unserem Vergleich eine reale Chance geben, seine Reize auszuspielen. Denn um in den Sprichwörtern zu bleiben: Auch wenn wir den Vergleich von Äpfeln und Birnen nicht scheuen, schicken wir niemanden mit einem Messer zu einer Schießerei.

Als Fachhandelsmarke kann Orbea preislich gesehen nicht ganz so aggressiv agieren wie die Versender Radon und Canyon. Auch ein Rose Bonero wird ohne Händlermarge bei ähnlichem Ausstattungsniveau sicherlich etwas günstiger im Rose-Onlineshop verkauft als das Orbea Laufey. Und ein Preisunterschied von 500 € hin oder her, relativiert sich mit dem Blick auf das teuerste Bike von 6999 € deutlich.

Mountainbike-Test
Es wird bei der Betrachtung von Bikes oft vergessen: Wer bergab ballern will, muss davor auch den Berg hochkommen. Wir haben deshalb auch allen Bikes im Uphill auf den Zahn gefühlt.

Unser Anspruch an die Testbikes

Wenn man Äpfel und Birnen in den Vergleich schickt, ist es wichtig, sie anhand derselben Kriterien zu bewerten. Natürlich haben wir jedes Bike mit ein und derselben Waage gewogen. Wir haben sogar den Laufradsatz eines jeden Bikes extra gewogen, um die rotierende Masse explizit zu erfassen.

Bike Gewicht Laufradgewicht
Orbea Laufey 13,75 kg 5690 g
Radon Slide 15,6 kg 5380 g
Canyon Spectral 15,5 kg 5490
Liteville 303 13,99 kg 4770 g

Aber die finale Aussage hängt nicht primär an dieser Gewichtstabelle. Uns war es wichtiger, die Bikes in einheitlichem Terrain zu testen. Mit dem Testrevier Finale Ligure ist auch schon klar, welchen Maßstab wir dabei anlegen lassen. Die Bikes müssen sich im rauen Gelände behaupten. Finale Ligure ist ein Mountainbike Hotspot, der mit ernsthaften Trails zu begeistern weiß. Und wir wollten diese Begeisterung spüren.

Wenn du eher an Bikes für dein nächstes Marathonrennen interessiert bist und weniger den Kick in der Abfahrt suchst, dann abonniere den Newsletter unten im Footer. Denn dann haben wir schon bald einen ähnlichen Vergleich für dich parat. So manche Erkenntnis aus diesem Test lässt sich aber sicher auch auf Bikes mit weniger Federweg herunterbrechen.

Enduro Mountainbike Uphill
Es ist für viele Biker das Pflichtprogramm vor der Kür: der Anstieg. Obwohl ihn die wenigsten lieben, verbringt man den größten Teil einer Biketour damit, bergauf zu kurbeln.
Enduro-Mountainbike-Test
Uns ist klar: Mit einem Bike mit 140 mm Federweg oder mehr will man bergab Gas geben, weshalb wir diesem Teil unserer Testrunden besondere Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Mountainbiken bedeutet für uns nicht nur Trails bergab zuballern

Bei all unseren Tests ist es für uns immer wichtig, ein Bike nicht einseitig zu betrachten. Denn auch wenn der Trail bergab die Hormone im Körper sprudeln lässt, ordnen wir der Euphorie im Downhill nicht alles unter. Man kann diese Euphorie schlicht und ergreifend nicht erfahren, wenn man zuvor nicht den Anstieg bezwungen hat.

Betrachtet man eine Biketour zeitlich, verbringt man über 70 % der Fahrzeit damit, den Anstieg hochzukommen oder eine ebene Strecke zum Traileinstieg zurückzulegen. Eine so immense Zeit wollen wir nicht als Pflichtprogramm jenseits der Wertung hinnehmen. Sicherlich haben wir diese Zeit bei unseren Testeindrücken weniger stark gewichtet als die Zeit auf dem Trail. Aber jedes Bike aus diesem Test musste es sich gefallen lassen, dass es sowohl bergauf wie auch bergab kritisch betrachtet wurde.

Für alle, die direkt neben einem Bikepark wohnen oder nur in Verbindung mit einem Shuttle biken, mag die Sache anders aussehen. Wir stehen in diesem Punkt zu unserer Haltung, dass ein Mountainbike bergauf zumindest nicht nerven sollte. Wer den Anstieg per se verteufelt, findet mittlerweile auch im E-MTB-Segment geile Bikes, die den Aspekt Uphill nahezu nichtig machen.

Trailhardtail-Test
Orbea Laufey H-LTD - 2499 € (UVP) - 140 mm Federweg

Welche Einschnitte muss man bei einem Budget um die 2000 € hinnehmen?

Das neue Orbea Laufey ist die Hoffnung für alle jene, deren Budget deutlich unter der 3000 € Grenze liegt. Kann man damit Spaß haben, auf ernsthaften Trails? Durch den fehlenden Dämpfer im Heck, spart man sich nicht nur das Bauteil und damit das Budget für den Dämpfer. Auch die Rahmenkonstruktion ist deutlich einfacher als bei einem Fully. Das Prinzip Hardtail hat in diesem Fall gleich mehrere Vorzüge gegenüber dem Fully:

  • Es ist günstiger.
  • Es ist robuster
  • Es ist leichter.

Diese Kombination macht das günstigste Bike in unserem Vergleich gleichzeitig zum leichtesten. Bergauf zieht das Laufey die Konkurrenz ab. Diese Eigenschaft gibt dem Laufey einen großen Tourenradius und damit einen festen Platz in unserem Herzen.

Blickt man auf die Trailhardtail-Konkurrenz, wird klar: Das Laufey ist eines der abfahrtslastigsten Trailhardtails auf dem Markt. Starke Bremsen, dicke 2,6er Reifen, ein Staufach im Unterrohr und ein sehr tiefes Tretlager grenzen es deutlich von der Konkurrenz ab. Wer ins harte Gelände gehen will, bekommt mit dem Laufey einen Partner, der vor keinem Trail zurückschreckt.

Trail-Hardtails Test
Das Orbea Laufey macht mächtig Spaß, solange der Trail wenig verblockt ist. Im rauen Gelände muss man das Tempo mit dem Hardtail deutlich anpassen.
29er Hinterreifen
Den fehlenden Dämpfer im Heck versucht Orbea mit dicken 2,6er Reifen etwas zu kompensieren. Die Strategie geht zum Teil auf, aber ab einem gewissen Tempo macht sich das ungefederte Heck einfach bemerkbar.

Die Anbauteile von Ergon und die kurzen Shimano-Bremshebel machen das Bike zudem ergonomisch angenehm. Damit sind auch lange Touren ohne Schmerzen an den Kontaktstellen zum Körper möglich. In unserem detaillierten Test zum Laufey wird eindeutig klar: Orbea macht mit dem Laufey vieles richtig, kann aber auch nicht zaubern.

Ein Hardtail bleibt immer ein Hardtail, egal wie abfahrtslastig es ausgestattet ist. Steigt das Tempo auf dem Trail, prasseln die Schläge am Heck so ein, dass man die Kontrolle bereits deutlich früher verliert als mit einem Fully. Man muss das Tempo und die Fahrweise mit dem Hardtail gegenüber dem Fully deutlich anpassen. Wer damit leben kann, findet in einem Hardtail einen treuen Partner für lange Touren und schöne Trails.

Billig-Enduro-Test
Radon Slide Trail AL 8.0 – 2.899 € (UVP) – 150 mm / 140 mm Federweg

Lohnt sich ein Fully bei kleinem Budget?

Das Radon Slide AL ist das günstigste Fully in unserem Vergleich und hat uns damit überrascht. Denn die gute Nachricht aus unserem detaillierten Test zum Radon Slide AL: Das Bike macht mächtig Spaß. Es spielt den Vorteil des gefederten Hinterrads in der Abfahrt deutlich gegenüber dem Hardtail aus. Die schlechte Nachricht: Mit Blick auf die hochpreisigere Konkurrenz wird klar, dass an manchen Stellen noch Luft nach oben ist.

Das Radon liefert gemessen an seinem Preis eine gute Leistung ab. Man kann dank guter Reifen, einer soliden Bremse und der guten Gabel selbst die gröbsten Trails von Finale Ligure in Angriff nehmen.

Enduro MTB günstig testen
Das Radon hat seine Schwachstellen und kann mit den teureren Bikes nicht mithalten, liefert aber, mit kleinen Einschränkungen, dennoch Fahrspaß in der Abfahrt.
Enduro MTB unter 3000 €
Radon setzt das knappe Budget gekonnt ein. Die gute Gabel, hochwertige Reifen und eine starke Bremse wissen auf dem Trail zu überzeugen.

Je mehr man das Gas stehen lässt, desto mehr muss man jedoch bei Hinterbau und Geometrie Kompromisse eingehen. Der fehlende Ausgleichsbehälter am Dämpfer lässt die Öl-Temperatur in langen Abfahrten in die Höhe schnellen. Sowohl Zug- als auch Druckstufe verlieren dabei deutlich an Leistung im Laufe einer langen Abfahrt.

Auch der Blick auf einige Details und Ausstattungsmerkmale verrät: Im harten Einsatz muss man damit rechnen, dass das ein oder andere Ersatzteil fällig wird. Die relativ kleinen Hinterbaulager und die Zugverlegung unterm Tretlager erfordern etwas mehr Liebe in der Werkstatt als bei anderen Bikes.

Mit einem Gewicht von 15,6 Kilo ohne Pedale schafft man am Ende des Tages sicher auch den einen oder anderen Trail weniger als mit dem Hardtail. Denn der Aufstieg ist zäh mit diesem Bike. Aber wird es besser, wenn man mehr Geld ausgibt?

Enduro 5000€ Test
Canyon Spectral CF 8.0 K.I.S. - 4.999 € (UVP) - 160 mm / 150 mm Federweg

5000 € - Willkommen im Premiumsegment

Das Canyon Spectral CF 8 mit KIS System kostet deutlich mehr als das Radon, wiegt aber genauso viel. Es hat mehr Federweg und ist abfahrtslastiger, wiegt aber ebenfalls 15,5 Kilo wie das Radon. Und damit bleibt klar: Auch mit diesem Bike macht der Weg zum Traileinstieg nur bedingt Spaß.

Dafür ist das Canyon Spectral auch in der Mullet-Version ein Bügelbrett bergab. In der 160 mm Klasse lässt es keine Wünsche im Downhill offen. Das Rock Shox Fahrwerk liefert ab, die DT Swiss Laufräder sind für ihre stabile Bauweise bekannt. Und die Reifen verzahnen sich nicht nur erstklassig mit dem Untergrund, sondern punkten mit der EXO+ Karkasse von Maxxis auch beim Pannenschutz. Zudem hat es auch echte Innovationen an Bord.

SRAM Transmission Schaltung
Für 5000 € liefert der Direktversender Canyon mit der Transmission-Schaltung an seinem Spectral bereits die neueste Schalttechnologie von SRAM.
K.I.S. System
Auch das im Canyon verbaute K.I.S.-System zur Lenkungsstabilisierung zeigt: Für 5000 € ist bereits Innovation am Start.

Das K.I.S.-System zur Lenkstabilisierung bleibt in weiten Teilen unauffällig, erledigt während unseres ausgiebigen Tests seinen Job aber dennoch spürbar. Mit der Integration des K.I.S.-Systems in seiner ersten Evolutionsstufe in das Konzept eines bestehenden Bikes ist das Limit dieses Systems sicher noch nicht ausgeschöpft. Aktuell ist das System kein absoluter Gamechanger, aber dennoch eine sinnvolle Innovation mit Mehrwert.

Man bekommt mit dem Canyon Spectral CF also ein echt geiles Bike für die Abfahrt, muss aber auch im Preisbereich um die 5000 € noch einen Kompromiss eingehen. Bergauf fährt auch dieses Bike nur mit viel Input seitens des Fahrers. Wer diesen Input nicht leisten will, muss tiefer in den Geldbeutel greifen.

High-End-Enduro im Test
Liteville 303 Limited - 6999 € (UVP) - 160 mm / 160 mm Federweg

Alleskönner kosten Geld!

Wenn Geld keine Rolle spielt, ist plötzlich vieles möglich. Auch das Liteville 303 hat 160 mm Federweg an der Gabel und wiegt aber unter 14 Kilo. Gibt es dabei Kompromisse bei der Ausstattung?

Für 6999 € verbaut Liteville nur beste Teile. Die Syntace Carbon Laufräder und das Fox Factory Fahrwerk, drücken nicht nur das Gewicht nach unten, sondern funktionieren auf dem Trail einwandfrei. Der Alu Rahmen spielt mit einem Rahmengewicht von ca. 3300 Gramm in einer Liga mit aktuellen Carbon Modellen. Die Magura Bremsanlage verzögert stärker als nötig.

Unser detaillierter Test zum Liteville 303 zeigt: Wer bereit ist, tief in die Tasche zu greifen, bekommt ein Bike, das sowohl im Downhill, als auch auf dem Weg zum Traileinstieg viel Freude macht. Das Bike weiß mit niedrigem Gewicht und einem direkten Handling auf dem Trail zu begeistern.

High-End-Enduro-Test
Der Alleskönner in unserem Test: Das Liteville 303 weiß bergab zu begeistern, ohne bergauf zu enttäuschen.
Anpassbare Kettenstreben
Im High-End-Bereich bieten viele Hersteller viele Optionen. Das Liteville 303 wird ab Werk mit Mullet-Laufrädern ausgeliefert, kann dank der zweiten Lagerposition in der Kettenstrebe aber auf ein 29er-Hinterrad umgebaut werden.

Die Lobeshymnen auf das niedrige Gewicht und das direkte Handling des Bikes kommen aber nicht ganz ohne Nebenwirkungen. Sowohl die Geometrie als auch das komfortorientierte Fahrwerk kommen bei Renntempo etwas schneller ans Limit als z. B. das Canyon Spectral. Enduro-Racer würden sich vom Fahrwerk womöglich mehr Gegendruck wünschen und auch einen Hauch mehr Laufruhe bei hohem Tempo.

Allerdings muss man ganz klar sagen: Wer ein Bike mit einem Vollgas-Baller-Charakter und 160 mm Federweg sucht, findet auf dem Markt nicht nur eine Option. Das Liteville ist ein kletterwilliger Allrounder mit lieblichem Handling und schicken Details. Und es beweist damit: Wer sich Premium leisten kann, bekommt auch ein Ticken mehr Bike als in den günstigeren Preisklassen.

Mountainbike-Enduro-Test
Wir haben alle Bikes im MTB-Mekka Finale Ligure getestet.

Wie viel Geld muss man jetzt ausgeben?

Das einzige Bike, mit dem weder bergauf noch bergab ein großer Kompromiss eingegangen werden muss, ist tatsächlich das Liteville für 6999 €. Denn mit viel Federweg und niedrigem Gewicht bringt es zwei wichtige Faktoren für so einen Tag im rauen Gelände ohne Aufstiegshilfe unter einen Hut.

Das Spectral in der 5000 € Preisklasse funktioniert zwar bergab sogar noch etwas besser, verlangt im Anstieg aufgrund des Gewichts aber auch nach einer besseren Form vom Fahrer. Wer ohnehin ins Shuttle steigt, um zum Traileinstieg zu kommen und zu Hause bergauf nur ganz gemütlich unterwegs ist, wird den Kompromiss, den dieses Bike hat, akzeptieren.

Enduro MTB Test
Das Canyon und das Radon zwingen einen bergauf zu einem klaren Kompromiss.
Trailhardtail im Test
Mit dem Orbea Laufey muss man dagegen das Tempo und die Fahrweise bergab gegenüber einem Fully anpassen.

Die wirklich gute Essenz aus diesem Test aber ist: Selbst, wenn du nur 3000 € ausgeben willst, bekommst du auch 2024 noch ein solides Bike. Mit dem Radon Slide Trail muss man zwar deutliche Kompromisse eingehen. Es ist schwer, und lange Abfahrten machen dem Dämpfer im Heck zu schaffen. Auf lange Sicht wird sicher auch das eine oder andere Ersatzteil fällig. Aber man kann damit bergab Spaß haben.

Viele wollen oder können aber einfach keine 3000 € ausgeben. Und in dem Fall sind solche Trailhardtails wie das Orbea Laufey oder das Rose Bonero wirklich eine gute Wahl. Damit muss man bergab zwar eine deutliche Kompromissbereitschaft zeigen, aber man kann damit den Mountainbike-Spirit erleben. Wer nur bergab ballern will und dabei seine Kumpels mit den Fullys nicht ziehen lassen will, wird aber mit dem Hardtail auf Dauer nicht glücklich. Denn die Einschnitte, die der starre Hinterbau mit sich bringt, liegen genau im Bereich der Abfahrt.

Mountainbike-Preisklassen-Test
Wer mehr zahlt, bekommt auch mehr. Leider muss man wirklich erst im High-End-Bereich keine Kompromisse mehr eingehen. Mit den Bikes für 5000 € und weniger kann man Spaß haben und den Spirit erleben, muss sich aber bewusst sein, dass man in dem einen oder anderen Bereich mit Einschränkungen leben muss.

Fazit zur Preisfrage bei Mountainbikes

Wer mehr zahlt, bekommt auch mehr. Ernsthafte Trails lassen sich bereits mit einem Bike ab ca. 2000 € runterballern. Aber man muss dabei in der Abfahrt zu deutlichen Kompromissen bereit sein. Über 6000 € fährt man sowohl bergauf wie auch bergab wie auf Wolken. Zwischen den beiden Extremen gibt es klare Schattierungen. Man bekommt in der 5000 € Klasse Premium-Bikes für den Downhill, muss aber bergauf ganz klar zurückstecken. Günstige Fullys um die 3000 € verlangen nach einer Kompromissbereitschaft in allen Bereichen.

Alle Testbikes mit vielen Details

Natürlich haben wir alle Testbikes auch mit unserem innovativen Testsystem in standardisierter Weise für euch aufbereitet. Unter den Widgets findet ihr nicht nur alle Geometriedaten und Ausstattungspreise, sondern auch aktuelle Angebote von Händlern. Und ihr könnt jedes Bike in unserem Vergleich ziehen, um z.B. die Geometrie direkt zu vergleichen.

Über den Autor

Ludwig

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

Empfohlen für dich

Fox bringt neue 34er Gabel für Racer

Gerade hat Rock Shox seine SID und SID SL Gabel neue aufgelegt, jetzt legt Fox im Bere...

Das Cervelo ZFS-5

Die Kanadier von Cervelo trauten sich beim MTB Worldcup in Nove Mesto erstmals mit ihre...

Das Canyon Neuron 2023

Die Kanadier von Cervelo trauten sich beim MTB Worldcup in Nove Mesto erstmals mit ihre...

Das neue YT Jeffsy im Test

Das YT Jeffsy ist Everybodys Darling im Lineup des Direktversenders. Es ist leicht genu...